Leserbrief zum Vitelliusbad

Ihre Meinung : Nüchtern die Kosten und den Nutzen abwägen

Vitelliusbad

Zu den Berichten und Zuschriften über das Vitelliusbad in Wittlich (der TV berichtete mehrfach) schrieb uns Rudolf Kemmer folgenden Leserbrief:

Die bei der Bürgerversammlung am 25. September vorgestellte Konzeptplanung für das neu Hallenbad sieht als Attraktion eine 60 Meter lange Röhrenrutsche mit Zugang von innen und außen und Zielbecken im Bereich des Hallenbads als optionales Bauteil und konzipiert für ganzjährige Nutzung mit Beheizung vor.

Im Unterschied zu der jetzigen im Freibad vorhandenen Riesenrutsche ist diese neu geplante wegen einem außerordentlich hohen Heizenergieverbrauch problematisch. Dies ist umso gravierender als inzwischen feststeht, dass die im Prinzip sehr ergiebige von Wetter und Tageszeit unabhängige erneuerbare Energiequelle Erdwärmenutzung wegen wasserschutzrechtlicher Bestimmungen an diesem Schwimmbadstandort nicht zur Verfügung steht.

Ein an das Hallenbad angebaute Rutschengebäude mit Zugang vom Hallenbad mit Treppenaufgang muss, um es im Winter nutzen zu können, auf wahrscheinlich mehr als 30 Grad beheizt werden. Oben steigt man in die Rutschröhre von 60 Metern Länge, diese verlässt hinter der Einstiegsstelle durch eine Außenwand das Gebäude ins Freie und ist mit seiner ganzen Außenfläche der Wärmeabstrahlung an die kältere Außenluft ausgesetzt. Das bringt besonders bei tiefen Minusgraden enorme Abstrahlungsverluste, die durch laufende Beheizung kompensiert werden müssen. Vor den letzten Metern wird die Rutsche wieder von außen durch eine Außenwand in das Hallenbadgebäude geleitet, wo dann der Auslauf ist.

Ich schlage entschieden vor, die im Hallenbad optional geplante Riesenrutsche zu streichen.

Stattdessen soll die alte Riesenrutsche den aktuellen Sicherheitserfordernissen angepasst und an passender Stelle im Außenbereich wieder errichtet werden.

Eine attraktive Alternative zur ganzjährigen Riesenrutsche könnte eine 20 bis 30 Meter lange komplett innerhalb der Schwimmhalle verlaufende Rutsche darstellen.

Diese wäre dann innerhalb der Halle über einen Treppenaufgang ähnlich wie beim Sprungturm zu erreichen. Diese Rutsche wäre mit einer oder mehr Kurven auch reizvoll, wahrscheinlich etwas schneller und, was für Eltern-Kind-Kontakt oder Gruppen interessant ist, komplett von der Halle einsehbar.

Diese Rutsche würde keine zusätzliche Heizenergie verbrauchen.

Zur Minimallösung (nach dem Planungsstand Februar 2019), einer Flächenrutsche im Freibad und eine Kleinrutsche im Hallenbad, beides klimaneutral:

 Die Argumentation: Ohne eine Riesen-Rutsche sei unser Hallenbad für Kinder und Jugendliche uninteressant.

Nach meiner Überzeugung wird von keinem vernünftigen Menschen in einem Sport- und Familienbad eine Rekord-Attraktion erwartet, zumal dann nicht, wenn klar wird, welcher zusätzliche Heizwärmebedarf allein die Bereithaltung einer solche Rutsche permanent mit sich bringt.

Es sollte nüchtern faktenorientiert eine Nutzen-Kosten-Abwägung erfolgen und letztlich die Erreichung von Nachhaltigkeit, Klimaverantwortung und Wirtschaftlichkeit für ein familien- und schulfreundliches Badeangebot den Ausschlag geben.