Leserbrief Klinkhammer : Ist das Bürgernähe?

Bebauungsplan

Zum Artikel „Zwei neue Wohngebäude für Neuerburg“ (TV vom 11. Dezember) schreiben Theresia und Norbert Klinkhammer:


Grundsätzlich spricht unsererseits nichts gegen eine Bebauung in dem Bereich „ehemaliges Bahnhofsgelände“. Doch sollte sie sich der umliegenden Bebauung anpassen.

Wie im oben genannten Bericht zu lesen war, vertrat der Planer die Auffassung, dass es für ein solches Vorhaben aus Gründen der Wirtschaftlichkeit zwingend sei, drei Vollgeschosse sowie ein Staffelgeschoss zu errichten.

Der Beschluss des Stadtrats Neuerburg, den Bebauungsplan zu ändern, wird dazu führen, dass bei einer entsprechenden Bebauung künftig die Fassade unseres Gebäudes zu Dreiviertel beschattet wird.

Hiermit ist eine Wertminderung unseres Grundstücks verbunden. Mit der ursprünglichen Planung des Stadtrats von zwei Vollgeschossen zuzüglich eines Dachgeschosses wären wir als Anwohner und Nachbarn einverstanden gewesen. Für uns ist nicht nachvollziehbar, weshalb der Stadtrat nunmehr allein aus wirtschaftlichen Gründen des Investors einen früheren Beschluss rückgängig macht und hierbei die berechtigten Belange der Anwohner hinten anstellt.

Der damalige Stadtrat hatte seinerzeit unter Enthaltung der CDU-Fraktion einstimmig eine Planung von zwei Vollgeschossen mit Dachgeschoss befürwortet. Damit hatte sich der Investor seinerzeit einverstanden erklärt.

Nunmehr geht der Stadtrat aufgrund einer von dem Investor vorgelegten Computersimulation davon aus, dass keine nachteilige Verschattung der gegenüberliegenden Gebäude zu erwarten sei, allenfalls in den Monaten von September bis Dezember und Januar bis März. Gerade in diesen Monaten ist es jedoch wichtig, so wenig Verschattung wie möglich zu haben.

Nach Einsicht in die von dem Investor vorgelegten Beschattungsstudie mussten wir allerdings feststellen, dass die Darstellung der Computersimulation unseres Erachtens nicht der tatsächlichen Verschattung entspricht.

Hierauf hatten wir den Stadtrat unter Vorlage von Fotos, die die Verschattung zu gewissen Jahres- und Tageszeiten darstellen, unmissverständlich hingewiesen. Warum hat sich bis heute niemand aus dem Stadtrat bei uns vor Ort über den Sachverhalt erkundigt? Haben wir als Rentner kein Recht mehr darauf?

Durch den TV vom 11. Dezember haben wir erfahren, dass unsere vier Eingaben abgelehnt wurden. Ist das die im Wahlkampf viel gepriesene Bürgernähe?

Außerdem würden etwa 70 Parkplätze für die Stadthalle fehlen, die 1999 beim Bau der Halle nachgewiesen werden mussten. Ist dies nun alles hinfällig?

Sinnvoller wäre es, die Weichen für die Sanierung von 32 leerstehenden Gebäuden in Neuerburg zu stellen. Stattdessen soll, wie bereits in anderen Kleinstädten in der Eifel, aus Gründen der Gewinnmaximierung des jeweiligen Investors ein weiterer Bauklotz entstehen.

Zurzeit stehen in Neuerburg 14 Läden, vier Gasthäuser, ein Hotel, ein Supermarktlokal und ein Café leer. Demgegenüber sind in dem geplanten Neubau weitere Läden vorgesehen. Eine derartige städtebauliche Planung erschließt sich uns daher nicht. Eine Planung, die ohne zwingende Erforderlichkeit zu einer erheblichen Verschattung unseres Grundstücks führen würde.

Wie würden die Ratsmitglieder reagieren, wenn sie so einen Bauklotz vor die Nase gesetzt bekämen? Die Höhe des Neubaus wird 13,50 Meter betragen und wird somit 1,50 Meter höher sein als der Giebel der direkt benachbarten Stadthalle.

Aus diesem Grund erwägen wir bereits heute, den Bebauungsplan, nach Wirksamwerden, einem Normenkontrollverfahren zuzuführen.