Leserbrief : Nicht verhältnismäßig

Corona

Zum Artikel „Viel Platz, aber keine Kursangebote“ (TV vom 28. Dezember) schreibt Leser Robert Görgen:

Da betreibt jemand ein Unternehmen und wird durch das Corona-Virus ausgebremst. Kommt öfters vor. Manche Unternehmen mussten schließen, weil sich dort Mitarbeiter und/oder Kunden körperlich zu nah gekommen sind. Man konnte den wegen Corona gebotenen Mindest-Sicherheitsabstand von 1,5 Metern teilweise nicht einhalten – zum Beispiel in Gaststätten, Restaurants und Discos.

Wie viele Fälle sind bekannt, in denen sich jemand in einer Gaststätte oder einem Restaurant angesteckt hat? Auch andere Unternehmen könnten jetzt noch ganz normal weiterarbeiten, wenn man in der Politik mit einem gesunden Menschenverstand arbeiten würde anstatt mit wilden theoretischen Glaubensspielchen. In vielen Firmen wird auch ganz normal gearbeitet. Man trägt eine Maske und hält den Sicherheitsabstand ein. Ist alles kein Problem.

Eine selbstständige Hebamme – ein Beruf, der wohl wegen hoher bürokratischer und finanzieller Hürden früher oder später leider aussterben wird — hat ihre kleinen Praxisräume gegen einen doppelt so großen Raum getauscht und darf trotzdem nicht mehr Kundinnen betreuen als vorher. Ein Schildbürgerstreich, wenn man bedenkt, dass Schüler in ihren Schulen trotz Corona oft zu 30 in einem Klassenraum saßen, der kleiner ist als der alte Übungsraum der besagten Hebamme.

Am Anfang der zweiten Zwangsschließung waren viele Skilifte in Österreich und Deutschland kurz geöffnet. Plötzlich tummelten sich dort hunderte Skifahrer auf engem Raum. Während der ersten Zwangsschließung mussten viele kleine Geschäfte geschlossen bleiben, während die großen Geld verdient haben. Jetzt müssen wieder viele Geschäfte geschlossen bleiben, weil sie „nicht systemrelevant“ sind. In Hessen waren die Sonnenstudios geöffnet, während sie hier in Rheinland-Pfalz geschlossen sein müssen. Dank des Föderalismus, in dem jeder sein eigenes Süppchen kochen darf.

Hätte ich ein Geschäft, wäre das während der Zwangssperren offen geblieben. Wenn es sein müsste, würde ich dafür bis zum obersten Gerichtshof klagen. In meinem Bekanntenkreis gibt es Menschen, die an diesem Virus erkrankt waren und jetzt wieder gesund sind. Es sterben aber auch täglich viele Menschen an Krebs, der durch Rauchen ausgelöst wurde — auch viele Nichtraucher, die oft mitrauchen müssen. Da sagt niemand etwas.