Leserbrief : Gerolsteiner Stadtrat hat Chance vertan

Stadtentwicklung

Zum Artikel „In Halbzeit zwei muss mehr passieren“ (TV vom 23. April) über  das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) in Gerolstein schreiben Sofia Camargo  und Thomas EJ Klasen aus Gerolstein:

Statt selbst zu sprudeln, plätscherte auch der TV-Artikel zur Halbzeitbilanz des ISEK, wie Gerolstein selbst, vor sich hin. Brav und geduldig wurde summiert und aufgelistet. Altes wiederholt. Stadträte kamen zu Wort. Irgendwann war dann Schluss.

Und was bleibt? So gut wie nichts. Obwohl die Bilanz der Gerolsteiner Stadtentwicklung vernichtend schlecht ist, wird nichts angeregt, wird nichts in Frage gestellt, soll sich nichts ändern. Business as usual. Und wieder ist eine Chance vertan. Denn so wenig an Aufbruch-stimmung im Stadtrat ist, wie es der TV auch zitiert, so wenig wird sich aus ihm heraus auch in den nächsten fünf Jahren was tun.

Nicht ganz. In Panik, am Ende Fördergelder in Millionenhöhe zu verlieren, wird Aktionismus betrieben. Wie es der TV wohl ahnt, wird sich am Ende des ISEK-Stadtentwicklung-Programms Gerolstein daran messen, was abgerissen und was abgewickelt wurde. Also nicht an dem, was entwickelt wurde.

Nur das kann das offizielle Gerolstein. Das ist seine Spezialität. Überall, wo der Stadtrat die Verantwortung trägt, ist die Stadt in Teilen jetzt schon ein Kistenhaufen, ein Trümmerhaufen und eine Anhäufung von depressiven Verkaufsbarracken. Derart Geschmackloses soll folgen.

Den heißesten Kandidaten von nächster Abwicklung zeigte der TV groß. Zu dem einen Foto des Kaiserhofs hätte nur zu gut ein Foto des Stadthauses, dessen Abriss den angedachten Stadtbalkon erzeugen soll, gepasst. Denn das, was dort an Ausblick am Dreestreppchen entstehen mag, ist nicht futuristisch, sondern bereits zu bewundern. Dort entzückt die Rückseite eines Billig-Fleisch-Bräters, die lärmende B 410 und die schier endlose, graue Platte von dem, was mal Quelle war, aber heute nur mehr eine zementierte Bankrotterklärung von Gerolsteiner Politik ist.

Wie soll nun der Gerolsteiner Brunnen den Wünschen des Stadtrats nach Entgegenkommen Respekt zollen? Die einen verstehen sich als Global Player, die anderen können nicht mal das Lokale gestalten. Wo sind da die Schnittmengen? Wo ist da die professionelle Verhandlungsbasis? Beinahe zehn Jahre gab Gerolsteiner dem Stadtrat die Chance, auf dem Brunnengelände etwas Nachhaltiges für Gerolstein zu entwickeln. Nichts kam dabei heraus. Womit will sich nun der zwei Jahre alte Stadtrat bei Gerolsteiner bewerben?

Gerolstein ist Historie und viel Natur. Auf der Erde und tief in ihr. Gerolstein steht in der Welt für Wasser. Reinstes Mineralwasser. Ist ja nur mal so eine Idee, das Brunnengelände mit dem Mineralwasser zu verbinden. Was daraus werden kann an nachhaltiger Wirtschaft, Forschung, Kultur, Tourismus und öffentlichem Aqua-Park, wäre doch mal ein Versuch wert, offen und öffentlich zu debattieren. Überall, auch in dieser Zeitung. Frei dem Motto: Brunnenstadt Gerolstein … Zum Wohle!