Leserbrief Richtig professionell

Medizin

Zur Situation im Krankenhaus Gerolstein schreibt Paul Schmitz aus Malbergweich:

Man muss Dinge erst am eigenen Leib erfahren, um mitsprechen zu können ...

Nachdem ich mit einem vorläufigen Arztbrief und der Tablettenration für die folgenden Tage aus einem Krankenhaus entlassen worden war, versuchte ich als akuter Schmerzpatient einen niedergelassenen Facharzt zwecks weiterer Behandlung zu konsultieren. Kurzfristige Termine? Keine Chance!

Es blieb nur eine weitere Krankenhauseinweisung: Gerolstein. Denn hier sollten die rheumatologischen Kenntnisse eines Arztes, die hinsichtlich der Diagnose des ersten Krankenhauses erforderlich erschienen, dem Schmerz ein Ende bereiten.

Im Gerolsteiner Schockraum wurde nach einem für mich unsichtbaren Leitfaden das gesamte Procedere durchlaufen. Richtig professionell, in einem kleinen Krankenhaus der Grundversorgung.

Die Vernetzungen mehrerer Bereiche, die letztendlich zu einer korrigierten, diesmal zutreffenden Diagnose führten, wurden mir immer deutlicher: Innere Medizin, Rheumatologie, Orthopädie, Chirurgie, Anästhesie, das Labor und die Physikalische Abteilung. Was das kleine Krankenhaus nicht mit eigenen Möglichkeiten aufbieten konnte, wurde – wie auch ein MRT – im Konsil besorgt. Wie in einem Automatik-Getriebe schien ein Rädchen problemlos in das nächste überzugreifen.

Ich durfte erfahren, dass das vom Träger fast schon abgeschriebene Krankenhaus zur Höchstleistung auflief: gute Bausubstanz, ordentliche Krankenzimmer, beste Verpflegung, freundliches und fachlich versiertes Pflege- und Ärztepersonal. Alle ziehen an einem Strang, um den Patienten zu helfen. Hierfür möchte ich mich ganz herzlich bei allen Beteiligten bedanken. Als ich erfuhr, dass auch Chefarzt Dr. med. Rittich das Krankenhaus am gleichen Tag verlässt, an dem ich entlassen wurde, wusste ich mein Glück und die erlebte Leistung des gesamten Teams erst richtig zu interpretieren.

In den angedachten großen Schwerpunktkrankenhäusern kann man viele Spezialisten sehen, die (ähnlich Scheuklappen) ausschließlich ihr Fachgebiet im Blick haben. Da ist eher eine Art Schaltgetriebe manifestiert und es kann - wie in meinem Fall - zu Problemen beim Kuppeln und Schalten in den nächsten Gang kommen.

Um das erfolgreiche Miteinander zu erfahren, musste erst ein kleines Krankenhaus der Grundversorgung aufgesucht werden. Wie sollen unsere zukünftigen Hausärzte ein zwecks Allround-Ansprechpartner erforderliches breites Wissen erlernen, wenn es demnächst nur noch spezialisierte Kliniken als Ausbildungsstandorte geben soll?

Noch ein Wort an den Träger der Gerolsteiner Klinik: Ihr wisst gar nicht, was für ein Juwel ihr mit Gerolstein habt. Wirtschaftlichkeit mag für euch die Maxime sein, für die Patienten sieht das anders aus. Vielleicht muss die Geschäftsführung erst mal im Schockraum liegen, um zu erfahren, wo die zu behandelnden Probleme sind …

Dass das von einem ehemaligen amerikanischen Präsidenten praktizierte „First“ nicht aufging, sollte man bei den Richtungsentscheidungen in Waldbreitbach im Hinterkopf haben.