Leserbrief : Auto-Matismen

Verkehr und Umwelt

Zur Verkehrspolitik und deren Folgen für die Orte der Vulkaneifel schreiben Sofia Camargo und Thomas EJ Klasen aus Gerolstein: 

Wie in einer auf den Hund gekommenen Leit-Kultur muss, in einem die Anschaffung rechtfertigenden Verhalten, auch das Auto permanent Gassi. Diesem rund um die Uhr-Bedürfnis angepasst, liegt selbst in den größeren Orten der Region, Daun, Gerolstein und Hillesheim, praktisch nichts mehr in fußläufiger Entfernung.

Alles musste raus. Auf riesigen, grauen Parkplätzen, zumeist am fernen Ortsrand, findet sich das Volk wieder, finden Anschaffungen und Versorgungen als Kauf-Kultur statt, und hastig wird das beim Billig-Discounter Erworbene im teuren SUV verstaut.

Da selbst das Wohnen outgesourct wurde und in immer weiter entlegenen Neubaugebieten stattfindet, sind die Ortskerne entvölkert.  In der Freizeit finden folglich Kreisfahrten statt, um irgendwo in den Weiten noch Leben zu erhaschen. Stoßstange an Stoßstange reihen sich Tausende. Gerolstein würde sich sogar für einen Brückenbau opfern und über Jahre eine zweigeteilte Existenz führen, um nachher von noch mehr und düsendem Verkehr berauscht mit sich ganz eins zu sein.

Der Ruf aus Hillesheim nach einem Leben rettenden Bypass soll auch erhört worden sein und die provinziale Rezeptur, das Mittel Asphalt, schnellstmöglich in Mutter Erde injiziert werden.

Wo so viel 1A-Freifahrten in der Aussicht der Windschutzscheibe zum Vorschein kommen sollen, sind Tempolimits natürlich eine unangemessene Gängelung von ländlicher Entfaltung und das Ende der wohl letzten Freiheit. Ein No-Go. Am Wegesrand drohend und anmaßend zur passiven Fahrweise postiert, verbleiben sie als ungeahnte Zeichen einer fernen Kultur nach mehr Rücksicht. Nach mehr Miteinander.

Nicht nur Touristenstrecken mit Autoanreise, ganz viele Radwege innerorts und zwischen den Orten sollen richten, was verkümmerte und das deutsche Autovolk verlernt hat.

Und wenn’s schaurig ist und regnet? Dann gibt’s Bus und Bahn. Doch deren Betreiber sollen nicht alleine subventioniert werden, sondern auch ihre Gäste.Das bestehende Angebot verdient Fahrgäste und die ein Vulkan-Eifel-Ticket. Pro Tag ein Euro. Egal wohin und wie oft. Das ist gerecht. In Luxemburg und anderswo ist es sogar längst umsonst.

Wie in der Region rund eine Milliarde für die Asphaltierung unser aller Natur ausgegeben werden soll, kann es doch nicht an einer Million liegen, Zukunft zu verpassen.  Würde die Industrie auch noch erfahren, dass es anstatt sich stauender Brummis lokale Schienen gibt für Güterzüge und Transporte in ferne Städte, dann wäre vieles anders, und noch mehr Straßen und Brücken bräuchte niemand.

Da sowieso alle sonstigen Industriegebiete von Prüm bis Daun unmittelbar an Schienensträngen liegen, wäre es nur zu logisch, mit üppigen Bundesmitteln die dortigen Strecken von WestEifelBahn und EifelQuerBahn zu reaktivieren.

Sogar Werbung ließe sich damit machen. Die Eifel trabte mal nicht hinterher, sondern wäre Vorreiter.