Leserbrief : Ein Angriff auf den Wald

Windkraft

Zum Artikel ‑Was die Landesregierung in Sachen Klimaschutz plant“ (TV vom 27. Mai):

Der Koalitionsvertrag in Rheinland-Pfalz lässt für die Menschen auf dem Land Schlimmes befürchten: SPD, Grüne und FDP haben sich darauf geeinigt, dass die Windkraft-Leistung bis 2030 verdoppelt werden soll. Dafür ist unter anderem  eine Reduzierung des Abstands zur Wohnbebauung von 1100 Metern auf 900 vorgesehen und sogar auf 720 Meter beim Repowering, dem Austausch älterer Anlagen gegen neue.

Da der Abstand zukünftig ab Mastfußmitte gemessen wird, ergibt sich im Vergleich zur heutigen Regelung eine nochmalige Abstandsreduzierung um bis zu 100 Metern von der Rotorspitze zur Wohnbebauung. Und das, obwohl die Windräder immer größer werden und mittlerweile Höhen von bis zu 260 Metern erreichen (zum Vergleich: Der Kölner Dom misst 157 Meter).

Wo sollen all die neuen riesigen Windräder stehen? Bestimmt nicht in den Großstädten, wo die Grünen ihre Wähler haben. Vielmehr wird der ländliche Raum zur Industrielandschaft für die Stromerzeugung degradiert – mit gravierenden Auswirkungen für die Bevölkerung, die Natur und den Tourismus. Dabei kann es doch nicht sein, dass wir Wälder für Windräder roden. Beim Hambacher oder beim Dannenröder Forst gab es lautstarke Proteste gegen deren Abholzung. Sobald der Wald aber für Windräder weichen muss, bleibt der Protest aus. Dabei ist Windenergie, die Bäume und Waldböden vernichtet, nicht klimafreundlich!

Ein intakter Wald ist der beste Klimaschutz: Er speichert laut Landesforsten Rheinland-Pfalz 338 Tonnen CO2 pro Hektar und Jahr.

Warum werden nicht andere Potentiale mit deutlich weniger Belastung ausgeschöpft, bevor man Landschaft und Lebensqualität im ländlichen Raum opfert? Es gibt hunderttausende geeignete Dächer oder Parkplätze in Rheinland-Pfalz ohne Photovoltaikanlagen.

Ebenso unverständlich ist, dass der Koalitionsvertrag für den „Unesco Global Geopark“ Vulkaneifel – im Unterschied zum Unesco-Biosphärenreservat Pfälzerwald sowie der Unesco Welterbestätte Oberes Mittelrheintal – keine Ausnahmeregelungen für Windenergie vorsieht.