Leserbrief : Viele gute Erinnerungen

Arbeitsmigranten

Zum Artikel „Am Herzen getragen“ (TV vom 19. Juni) über eine Ausstellung zu Arbeitsmigranten aus der Türkei, Griechenland und Italien, die seit den 50er Jahren nach Deutschland gekommen sind:

Ich habe viele Erinnerungen an diese Zeit, als ich junger selbstständiger Metzger war.

Der Weg zum Büro des Fleischgroßhändlers führte am Arbeitstisch mit italienischen Ausbeinern vorbei, die oft am Singen waren. Mein „Buongiorno“ wurde immer freudig und laut beantwortet. Bei der Rationalisierung des elterlichen Betriebes mitten im „Metzgersterben“ der 1960er war mir mein ehemaliger Arbeitskollege aus der Wurstfabrik behilflich.

Einmal in der Woche kam Antonio zum Ausbeinen. Mein Plan, in der Wurstküche ohne Personal zu arbeiten, ging dadurch auf. Ich erinnere mich noch an eine Zeitungsmeldung über einen Gastarbeiter, der auf einen Brief den Absender schrieb: „Giovanni Potazzi, Betreten der Baustelle verboten, Germania“. Giovanni hat das Schild für ein Firmenschild gehalten. Antonio hat sich schiefgelacht.

Ich habe gute Erinnerungen an die Italiener – ob als Kunden im Laden oder als Gäste in der elterlichen Gaststätte.