Leserbrief : Jetzt geht’s ans Eingemachte: Für den Waldbefund ist es bereits halb eins

Klimawandel

Zum Artikel „Warum der Waldzustand ,beängstigend‘ ist“ (TV vom 22. Dezember):


„Warum der Waldzustand „beängstigend“ ist“: Das ist eine sehr treffende Überschrift! Wenn es bei der Corona-Lage fünf nach zwölf ist, dann ist es für den Waldbefund bereits halb eins.

Denn jetzt geht’s ans Eingemachte: Dem Mutterbaum des deutschen Waldes, der Rotbuche, geht die Puste aus! Für diese atlantisch geprägte Art sind trockene und heiße Sommer das reinste Gift. Ein, zwei trockene Jahre mögen noch angehen, aber wir hatten zuletzt drei Trockenjahre hintereinander (2018 bis 2020), auch wenn wir Menschen das subjektiv oft gar nicht so wahrnehmen in unseren klimatisierten Kammern und Transportmitteln.

Der Zustand der Buche ist wirklich ein sehr dramatischer Fingerzeig. Für sie gibt es keinen Ersatz. Allenfalls Samenherkünfte aus spanischen oder italienischen Buchenbeständen, die schon immer trockenangepasst sind.

Allein ob es mit ihnen auch bei uns klappen würde, ist ungewiss. Für Jahrzehnte an Forschungsarbeit ist aber keine Zeit mehr, es ist halb eins! Und nun kränkelt auch noch die Ersatzdroge der Förster für die abgängige Fichte, die aus Nordamerika eingeführte Douglasie. Sie nadelt zur Zeit an vielen Stellen besorgniserregend und zeigt viele trockene Kronenspitzen, selbst auf noch relativ gut wasserversorgten Standorten.

Könnte vielleicht die Kiefer die Rettung sein, die traditionell als trocken- und hitzeresistent gilt? Mitnichten. Wer auf der Landesstraße L 141 von Schweich nach Wittlich fährt, kann gerne Blicke in ältere Kiefernbestände werfen. Bei dem, was sich dort bietet, wird einem ganz anders ums Herz. Trockenschäden unglaublichen Ausmaßes für diese Hoffnungsbaumart.

Bleibt noch die Eiche. Kann die Eiche unseren Wald retten? Vielleicht ein Stück weit. Sie zeigt sich bisher recht robust im Klimawandel. Aber ihr Flächenanteil am Deutschen Wald liegt gerade mal bei sieben  Prozent. Da ist nicht viel Staat mit zu machen. Also alles hoffnungslos? Entwarnung ist zumindest nicht in Sicht, es sei denn, der Wettergott besinnt sich und beschert uns ein paar nass-kalte Jahre. Aber mal ehrlich: Wollen wir das wirklich?