Leserbrief : Damit Nahrung kein Luxusgut wird, sollte mit dem Augenmaß gehandelt werden

Tierschutz

Zu: „Wird jetzt wird alles Öko? Mehr Tierwohl: Muss Fleisch teurer werden? (TV vom 27. Januar):

Die Aussage, dass immer mehr Menschen bereit sind, mehr Geld für Lebensmittel und Bio-Produkte auszugeben, ist nur eine statistische Feststellung, die an der Fleischtheke vom Kunden meist anders bewertet wird. Auch der neue Landwirtschaftsminister Özdemir will hier Zeichen setzen und Wertschöpfungsketten erfinden, um sie zu stärken. Vieles ist im Gespräch – zum Beispiel eine Ausweitung der Öko-Landbaufläche oder eine Erhöhung der Mehrwertsteuer von sieben auf 19 Prozent auf Lebensmittel.

Begriffe wie Tierschutz und tiergerecht sind in jeder Expertenrunde zu hören. Umweltorganisationen melden sich mit „artgerechter Haltung“ zu Wort. Politische Forderungen aus Brüssel im Verbund mit Özdemirs Regularien nach höherem Tierwohl kratzen am Portemonnaie der Verbraucher, aber hauptsächlich am Erlös der Landwirte und Nutzviehhalter. In der Bevölkerung ist das Interesse an der Tierhaltung gestiegen. Emotionen kamen hoch, nachdem in den Medien Bilder gezeigt wurden von federlosen Hühnern, im Kot sitzend, und von Schweinen, die halbtot im heißen Brühbad einen qualvollen Tod erleiden mussten.

Trotz vieler Vorschriften für die Agrarindustrie zur Tierhaltung gibt es viele Lücken zwischen Anspruch und Realität. Zur Realität gehört der Preisdruck auf Landwirte und Nutztierhalter.

Damit Nahrung kein Luxusgut wird, sollte jede Vorschrift und Gesetzesänderung mit dem nötigen Augenmaß verabschiedet werden. Die Forderung, Tiere abzuschaffen, damit der Co2-Anstieg reduziert wird, um so die Klimaziele zu erreichen, ist ebenso abwegig wie eine Verpflichtung zur vegetarischen Ernährung. Es gibt viele Gründe gegen, aber auch für den Fleischkonsum. Ein Verzicht auf kommerzielle Tierhaltung  muss nicht unbedingt gut für die Umwelt sein, die Produktion pflanzlicher Lebensmittel auch nicht.

Der hohe Nährwert von Fleisch spricht für sich selbst.

Bei sorgfältiger Tier- und Weidehaltung können auch unfruchtbare Böden zu Lebensmittelproduktion eingesetzt werden. Neue Regularien sollten nicht nur die gesellschaftliche Akzeptanz fördern, sondern auch vorab mit dem hohen Fachwissen von Landwirten besprochen werden. Regularien, die Laienpolitikern von stallfremden Experten und Wissenschaftlern angepriesen werden, sind der Landwirtschaft nicht dienlich und nicht finanzierbar. Das beschleunigt nur das Höfesterben. Ansonsten gelten die Worte vom Tierrechtler Peter Singer, dass es besser sei, viele glückliche Tiere zu haben als gar keine.