Leserbrief : Das soll „nachhaltig“ sein?

Energiepolitik

Leserbrief zu „EU erklärt: Atomkraft ist klimafreundlich (TV vom 3. Februar):

Der Begriff „Nachhaltigkeit“ ist in vieler Munde. Atomkraft soll nicht, (Erd-)Gas soll „nachhaltig“ sein. Die Auffassungen von Bundesregierung und EU sind da durchaus verschieden. Doch hier irritiert die Verwendung des Begriffs, für den es keine Definition, nur näherungsweise Erklärungen gibt.

Die wohl umfassendste ist die aus dem Brundtland-Bericht der UN von 1987: „Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, welche die Bedürfnisse der gegenwärtigen Generation befriedigt, ohne die Fähigkeit zukünftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.“ Vor der innewohnenden Verantwortung dieser UN-Erklärung ist zu beleuchten: Atomkraft setzt weniger CO2 frei und ist somit klimafreundlicher, aber der lebensfeindliche Atommüll gefährdet zukünftige Generationen. Das von der Regierung favorisierte Erdgas soll dagegen „nachhaltig“ sein. Doch bei der Verbrennung von zum Beispiel  einem Kilogramm Methan entstehen 2,75 Kilo CO2.

Dieses Gas aber verbleibt über Jahrhunderte in der Atmosphäre, heizt das Erdklima auch in Zukunft noch auf. Ist das nachhaltig im Sinne zukünftiger Generationen? Aber ach, es soll ja auch nur „Überbrückung“ sein hin zu Zehntausenden von Windenergieanlagen (WEA). Doch jede einzelne WEA erfordert Zement, Sand, Stahl, Zink, Aluminium und zig Tonnen von Kupfer für Generator, Getriebe, Transformator und endlose Kabelstränge. Zehntausende Tonnen Erz werden dafür zum Beispiel in Chile ausgebeutet – und den Bauern dort das Wasser abgegraben. Das Aluminium kommt womöglich aus Guinea in Westafrika, sein Abbau hinterlässt einen von schon 32.000 Giftseen auf der Erde. Die Gewinnung einer Tonne Neodym, eines seltenen Metalls, das in WEA Verwendung findet, setzt 77 Tonnen CO2 frei. Soll nicht gerade dieses Gas vermieden werden? Somit werden Lagerstätten des armen Südens ausgebeutet, damit der reiche Norden „energiewenden“ kann – um nur ja seinem überzogenen Lebensstil auch weiterhin frönen, sich als Pionier in „Nachhaltigkeit“ feiern zu können? Und bei uns werden Landschaften geopfert!

Das soll „nachhaltig“ sein? Nur wenn man in engen Horizonten zuhause ist! Wird mit dieser Energiegier nicht die Fähigkeit zukünftiger Generationen gefährdet, ihre Bedürfnisse zu befriedigen? Was, wenn die Nachfahren nicht dieses von uns vorbestimmte, sondern ein selbstbestimmtes, rücksichtsvolles, erd- und lebensfreundliches Leben als Bedürfnis leben möchten?