Leserbrief : Hoffen und glauben, dass die Kirche  zu Gott zurückfinden kann

Missbrauchsskandal

Zum Artikel „Neue Kritik an Benedikt XVI.“ sowie weiteren Artikeln zum Missbrauchsskandal:

 

Die römisch-katholische Kirche zählt weltweit 1,34 Milliarden Mitglieder. Ich für meinen Teil habe mich aus dieser Glaubensgemeinschaft verabschiedet. Ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber ich habe den Glauben daran, dass sich diese Kirchengemeinschaft ändern könnte, verloren. Es gibt Lippenbekenntnisse, von denen jeder Bischof, jeder Priester und jeder treue Kirchgänger in Deutschland und der Welt weiß, dass sie nicht umgesetzt werden. Man versucht damit von den laufenden Skandalen abzulenken. Das ist nicht nur Missbrauch Schutzbefohlener und die Vertuschung dieser Taten. Es ist auch Geld. Viel Geld.

Das funktioniert schon über 2000 Jahre in diesem elitären Club. Von der Inquisition über Hexenverbrennung bis hin zum Missbrauch von Schutzbefohlenen. Diese Kirche vertritt nicht meinen Gott. Sie vertritt ihre Interessen, und das ist aus meiner Sicht das Geldverdienen. Meinen Glauben an Gott kann mir die römisch-katholische Kirche nicht nehmen. Sie hat mir allerdings den Glauben genommen, dass sie etwas an der Struktur ändern wird. Deshalb bin ich aus dieser Kirche ausgetreten.

Ich bin leidenschaftlicher Motorradfahrer, muss aber nicht bei den Hells Angels Mitglied sein, um das Motorradfahren zu genießen. Wer allerdings meint, dass es sexuelle Nötigung von Schutzbefohlenen nur in der katholischen Kirche gibt, glaubt auch an die Zahnfee. Die gibt es bei Atheisten, genauso wie bei Muslimen, oder Buddhisten. In allen sozialen Schichten.

Aber was für mich den Auslöser gab, war, das Bischof von Köln, Rainer Maria Wölkie, 2,8 Millionen Euro für Anwälte und eine PR-Agentur ausgegeben hat, um aus der „Misere“ herauszukommen. Der Gipfel sind die Erinnerungslücken des emeritierten Papstes Benedikt, Bischof Marx, der noch nicht mal zur Pressekonferenz geht, Bischof Voderholzer, der schlimme Taten relativiert, und Bischof Ackermann, der seit über zehn Jahren mehr Aufklärung verhindert. Alle diese Herren sind aber so wortgewandt und sehr gut rhetorisch geschult, dass mir nur der stumme Protest mit den Füßen bleibt.

Ich kann als guter Christ nur hoffen. Hoffen darauf, dass es mir mehr Menschen gleichtun und der Staat, der uns Bürger repräsentiert, irgendwann erkennt, dass Kirchensteuer und die Bezahlung der Bischöfe in Deutschland keine Aufgabe des Staates ist. Hoffen und glauben, dass sich die Kirche mehr auf ihre spirituellen Aufgaben besinnt und wirklich zu Gott zurückfinden kann.