Leserbrief : Das kann man wohl kaum mit Schummeln gleichsetzen

Diesel-Skandal

Zum Artikel „Auch nach zehn Jahren kann es noch Schadenersatz für Schummel-Diesel geben“ (TV-Onlineausgabe vom 20. Februar):


Über den VW-Abgasskandal liest man seit Jahren in den Medien von „Schummelsoftware“ oder „Schummeldiesel“. So auch jetzt wieder in der TV-Überschrift zum Urteil des Bundesgerichtshofs über Schadenersatzansprüche von VW-Dieselkäufern.

Angesichts der Milliardenschäden, die VW-Käufern und Aktionären entstanden sind, kann man nach einer Reihe von rechtskräftigen Gerichtsurteilen die Abgasmanipulation wohl kaum noch mit einem Schummeln beim Kartenspiel oder dem Abschreiben bei einer Klassenarbeit gleichsetzen.

Unabhängig von der Frage, welche Person im Konzern dafür zur Verantwortung gezogen werden kann, muss man das Geschehen selbst doch mit Recht als „Betrug“ bezeichnen, der „einen Vermögensverlust großen Ausmaßes“ herbeigeführt und „eine große Zahl von Menschen in die Gefahr des Verlustes von Vermögenswerten“ gebracht hat (§ 263 Strafgesetzbuch).

Man käme schließlich auch nicht auf die Idee, den Wirecard-Betrug oder den Cum-Ex-Steuerbetrug als „Schummelei“ zu bezeichnen. Als der Chef der Deutschen Bank 1994 einen Verlust von 50 Millionen D-Mark durch einen betrügerischen Bankrott relativierte, brachten es seine „Peanuts“ immerhin zum Unwort des Jahres.