Leserbrief : Die späte Rache eines Gekränkten

Zum Artikel „Die Ohnmacht des Westens gegenüber Kreml-Chef Putin“ (TV vom  7. März) und anderen Artikeln zum Ukraine-Krieg:

Ob Nero, Stalin oder Hitler: Grausame, unberechenbare Despoten wachsen immer nach. Und dann, wenn verweichlichte, dekadente Hochkulturen innerlich zerfielen, wurden sie von jungen, hungrigen Völkern überrumpelt und zerschlagen.
Wird es dem alten Europa so ergehen wie dem Römischen Reich? Der Vollstrecker seines Untergangs hat aus meiner Sicht den ersten Zug schon getan. Geschichte wiederholt sich, offenbar auch die Paranoia eines Iwans des Schrecklichen: Auf den notorischen Lügner Putin ist in einer Hinsicht Verlass: Er tut das, was er androht.

Es ist nicht zynisch gemeint, aber waren 70 Jahre ohne Krieg „zu viel des Guten“ für die europäischen Länder, die sich auf der Sonnenseite des Kalten Krieges zu sagenhaftem Wohlstand entwickeln konnten?

So wie der neuseeländische Kiwi wohl seine Flugfähigkeit verlor, weil er keine Feinde hatte, haben wir Europäer – speziell Deutsche – unsere Wachsamkeit und Wehrfähigkeit in Konsumrausch und alles erlaubender Freiheit weitgehend verloren. Und wir haben uns vorgemacht, Putin ließe uns in Ruhe und die USA würden notfalls für unsere Verteidigung geradestehen.

Noch schlimmer: Europa hat sich von russischem Gas und Öl abhängig gemacht.  Wir müssen uns „bis an die Zähne“ bewaffnen. Alles spricht dafür, dass es jetzt um Sein oder Nichtsein geht – entweder die freie Welt oder Putin, Xiaoping und andere Schurken. Sind wir bereit, für unsere freiheitliche Philosophie unser Leben zu riskieren? Sind wir nicht schon zu verweichlicht, um die Heizung in unseren überheizten Kaufhäusern, Supermärkten, übergroßen Wohnzimmern und Wintergärten um einige Grade zurückzudrehen, um unabhängig zu werden?  Akzeptieren wir autofreie Sonntage und verzichten auf Billigfliegerei und unnötige Autofahrten?

Jetzt oder nie müssen wir entschlossen sein, den Schurken die Luft zum Atmen zu nehmen. Leider müssen ihre Völker mitleiden. Wenn die Schurken weg sind, wollen wir mit diesen eine heile friedliche Welt gestalten. 

Fazit: Eine friedliche Welt ohne Zwang ist eine Illusion. Denn das evolutionäre Konzept „Mensch“ ist zutiefst unfriedlich. Unfriedliche wachsen immer nach. Sie müssen wachsam erkannt und schon im Keim unschädlich gemacht werden.