Ukraine-Krieg : Russland sollte für Wiederaufbau zahlen

Ukraine-Krieg

Zum Artikel „Europas Städte sollen Ukraine wiederaufbauen“ (TV vom 28. April):

Während wir zurzeit darüber diskutieren, welche Waffen an die Ukraine geliefert werden sollten, wird wenig darüber nachgedacht, wie der Frieden, der hoffentlich nicht mehr lange auf sich warten lässt, aussehen könnte. Wie viele Zugeständnisse würden die beiden Kriegsparteien machen müssen, um den Krieg zu beenden? Wird die Ukraine versuchen, in einem Friedensvertrag alle Gebiete zurückzubekommen, die sie in den letzten zwei Monaten verloren hat? Wird sie nach ihrem heldenhaften Kampf die Rückgabe des Donbas und der Krim verlangen? Wird Präsident Putin einfach einseitig das Ende von Kriegshandlungen erklären und sich zur möglichen Erleichterung des Westens mit dem, was er bis jetzt erreicht hat, zufrieden geben? Wie würde die Ukraine in diesem Fall dastehen?

Die Initiative „1427 (ukrainische) Gemeinden suchen neue Partner in Europa“ und die positive Reaktion darauf in Westeuropa sind natürlich vielversprechend für die von der russischen Armee zerstörten Gebiete. Eine Vielzahl von kleinen spontanen Projekten würde vielleicht die Ukraine fest an den demokratischen Westen binden. Aber warum sollten wir für Putins zerstörerische Wut aufkommen? In einem etwaigen Friedensvertrag müsste stehen, dass Russland als Aggressor der Ukraine Reparationen zu zahlen hat. Bei der zu erwartenden Ablehnung von der russischen Seite könnte man die hohen Geldsummen vom russischen Staat und von russischen Banken, die zurzeit in westlichen Ländern eingefroren sind, zum Beispiel der UNO  zur treuhänderischen Verwaltung übergeben und später der Ukraine für Aufbauprojekte auszahlen. Die USA haben als Sanktion mehr als 300 Milliarden Dollar vom russischen Staatsfond, die dort geparkt worden waren, zurückbehalten. Falls Putin am 9. Mai zur Wiederkehr des sowjetischen Siegs über Nazi-Deutschland selber „seinen Sieg“ ausrufen will, sollten wir klarmachen, dass das einen ernüchternden Preis haben wird, den er trotz Propaganda  vor dem russischen Volk nur schwer vertuschen kann.