Leserbriefe : Es ist blauäugig zu erwarten, dass Russland sich auf konventionelle Kriegführung beschränkt

Leserbrief

Zum Leserbrief „Die ganze freie Welt sollte der Ukraine beistehen“ (TV, 25. Juni):

Ich stimme dem Verfasser des Leserbriefes in allen Punkten zu, außer in dem Wunsch einer internationalen Armee. Um Putin in die Schranken zu weisen,  bedarf es einer Resolution des Weltsicherheitsrates, der ein robustes Mandat erteilen muss. Das wird am Veto Russlands scheitern.

Ohne ein solches Mandat wäre aber ein militärisches Vorgehen gegen Russland völkerrechtswidrig. Die UNO hat keine militärischen Kapazitäten. Sie müsste das Mandat an eine Organisation vergeben, die über diese Kapazitäten verfügt. Da bleibt derzeit nur die Nato. Eine internationale Armee muss sich irgendwo sammeln, und da bleiben nur Mittel-und Osteuropa. Personal und Material müssen ins Aufmarschgebiet gebracht werden.

Wo liegen die Häfen, die die Kapazität haben, diese Masse an Material zu entladen? Wo liegen die Führungseinrichtungen und die Logistikzentren? Und die internationale Armee müsste kämpfen, denn Putin wird sich durch das bloße Erscheinen einer Streitmacht nicht beeindrucken lassen.

Das bedeutet, dass diese Armee Russland zur Kapitulation zwingen muss, und das geht nur, wenn sie bis Moskau marschiert. Es ist blauäugig zu erwarten, dass Russland sich dann auf konventionelle Kriegführung beschränkt. Dann wäre das Schlachtfeld Europa. Deutschland hat einen „totalen Krieg“ erlebt. Gegen das, was uns dann erwartet, wäre das ein Kindergeburtstag gewesen.