Leserbrief : Wo bleibt der Aufschrei der Journalisten?!

Julian Assange

Zum Artikel „Der zähe Kampf um Julian Assange“ und zum Kommentar „Schwieriger Held verdient Solidarität“  (TV vom 18. Juni):

Der TV berichtet, dass die britische Regierung den Wikileaks-Gründer Julian Assange an die USA ausliefern will, wo ihm wegen angeblicher Spionage eine Freihheitsstrafe von bis zu 175 Jahren droht! Die „Spionage“ bestand darin, dass Wikileaks im Jahre 2010 ein vom Pentagon als geheim eingestuftes Video eines US-Kampfhubschraubers im Irak veröffentlichte, das dokumentiert, wie völlig unbewaffnete Zivilisten von den US-Soldaten erschossen wurden. Kriegsverbrechen, die das Pentagon vertuschen wollte, wurden publik gemacht.

Die USA wollen an Assange offensichtlich ein Exempel statuieren, das jedem Whistleblower und Journalisten als Warnung gelten soll. Angesichts dieses staatlichen Verbrechens an einem investigativen Journalisten frage ich mich: Wo bleibt der Aufschrei der Medien?

Das „laute Schweigen“ der Journalisten ist nicht zu überhören. Der lauwarme Kommentar von Ulrich Brenner im TV passt hierzu. Soll der große Bruder jenseits des Atlantiks nicht verärgert werden? Zu Recht haben unsere Medien den verbrecherischen Umgang des russischen Regimes mit dem Regimekritiker Nawalny angeprangert. Dass die USA, als selbst ernannter globaler Sheriff und Hüter der Menschenrechte, hier selbst Menschenrechte mit Füßen treten und dabei von ihrem britischen Hilfssheriff bereitwillig unterstützt werden, scheint niemanden zu interessieren.

Das Vorgehen der USA ist genauso menschenverachtend und brutal wie das des russischen Despoten, es ist nur eleganter verpackt. Der fehlende Aufschrei der Medien ist eine Schande und lässt einen wehmütig auf Zeiten zurückblicken, als es noch kritische Journalisten gab.