Leserbrief : Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Fleischprodukte ist ein guter Denkanstoß

Biosprit

Zum Artikel: „Umweltministerium verteidigt Biosprit-Pläne“ (TV, 21./22. Mai):

2,4 Millionen Tonnen Futter- und Lebensmittel werden in Deutschland eingesetzt, um Kraftstoff-beimischung zu produzieren. 2,4 Millionen Tonnen: Klingt bombastisch! Aber so, zusammenhanglos in den Raum gestellt, ist das eher Effekthascherei, ja systematische Desinformation von Amts wegen. Die Verwendung von Lebensmitteln und Lebensmittelvorprodukten (Futter) für Biokraftstoff muss sicher kritisch betrachtet werden. Hierfür Regenwälder abholzen und riesige Monokulturen anlegen, das ist schlicht abzulehnen.

Aber, dem Deutschen Verband für Tiernahrung kann man entnehmen: „Der gesamte landwirtschaftliche Nutztierbestand in Deutschland hat einen jährlichen Futterverbrauch von rund 79 Millionen Tonnen „Getreideeinheit“. (Heu und Ähnliches wird wohl in Getreideeinheiten umgerechnet. (eine Getreideeinheit ist eine statistische Größe und entspricht dem Futterwert von Gerste; die einzelnen Futtermittel werden darauf umgerechnet, um einen einheitlichen Bewertungsmaßstab abzubilden).Da spielen obige 2,4 Millionen Tonnen (drei Prozent von 79) wohl nicht DIE entscheidende Rolle.

Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung gibt an, dass jährlich in Deutschland rund 43 Millionen Tonnen Getreide produziert werden. 20,1 Prozent davon (8,6 Millionen Tonnen) als Nahrung, 8,9 Prozent (3,8 Millionen Tonnen) zu Energiezwecken, und 58,2 Prozent (25 Millionen Tonnen) als Tierfutter.

Die Zahlen beider Quellen sind für den Laien – wie mich – schwer zur Deckung zu bringen. Dennoch fällt auf: Die Verschwendung von „Getreideeinheiten“ oder von echtem Getreide als Viehfutter steht in keinem sinnvollen Verhältnis zur Verwendung von Getreide als unmittelbare menschliche Nahrungsquelle. Ich bin weder Vegetarier noch Veganer, dennoch ist mir eine in Grenzen gehaltene Verwendung von „Futter- und Nahrungsmitteln“ für energetische Zwecke lieber als eine unverantwortlich hohe und ungesunde Produktion von tierischen Lebensmitteln (Fleisch, Eier, Milchprodukte). Gerade in der jetzigen Krisenzeit sollte man auch der Verwendung pflanzlicher Produkte für energetische Zwecke eine angemessene Chance einräumen, und sei es nur als Übergangslösung.

Zielführender wäre es, die Konsumierenden tierischer Produkte umzupolen, ein sicher zähes Unterfangen. Aber die längst fällige Erhöhung der Mehrwertsteuer auf diese Lebensmittelsparte wäre ein guter Denkanstoß. Man komme mir nicht mit der sozialen Keule. Personen in prekären Verhältnissen könnten ja einen Ausgleich bekommen.