Höhere Gebühren bei schlechterem Service

Meinung : Höhere Gebühren bei schlechterem Service

Abschaffung der Biotonne

Wir sind absolut gegen die jetzt im Kreistag beschlossene Abschaffung der „Braunen Tonne“ für den Biomüll. Ein bewährtes System wird hier – ohne nachvollziehbare Gründe – gekippt. Das 2012 in Kraft getretene Kreislaufwirtschaftsgesetz sieht vor, dass Bioabfälle „spätestens ab dem 1. Januar 2015 getrennt zu sammeln“ sind. Wir in der Vulkaneifel haben schon lange das bewährte Biotonnen-System. Weil die Nachbarkreise in der A.R.T nicht willens oder nicht in der Lage waren, dieses ebenfalls einzuführen, muss es in der Vulkaneifel aufgegeben werden.

Die Folgen: Je nach Wohnlage müssen die Bürger unter Umständen mehr als eineinhalb Kilometer zum nächsten Container zurücklegen. Die Folge wird sein, dass der Biomüll wieder in der grauen Tonne landet. Wer Böses unterstellt, könnte vermuten, dass genau dies auch gewünscht war. Immerhin werden bei zusätzlichen Leerungen der Tonne ja Extra-Gebühren fällig.

Außerdem werden je Ort zu wenig Bio-Container aufgestellt. So soll zum Beispiel in Mehren nur ein Bio-Container mit einem Volumen von weniger als 800 Liter aufgestellt werden. Dieses Volumen entspricht gerade mal sechs bis sieben Biotonnen. Wenn die Bürger wirklich alle ihren Biomüll zum Container bringen, ist der nach ein paar Stunden voll. Damit sind wir beim nächsten Problem: Die neuen Gebühren. Hier hat der ART „mitgedacht“ und dem Fehlwurf in die graue Tonne einen wirksamen Riegel vorgeschoben. Denn die neue 80-Liter-Tonne wird zwar 13-mal im Jahr entleert, bietet aber eben nur noch ein Sechstel des Platzes wie das System mit Biotonne zuvor. Die Gebühr sinkt zwar etwas – aber nicht um ein Sechstel, sondern von bisher 130 auf 110 Euro für einen 1-Personen-Haushalt. Hatte der Bürger bisher keine Biotonne, verteuert sich die Entsorgung sogar.

Bei einem Vier-Personen-Haushalt verteuern sich die Kosten von 224 auf 394 Euro und damit um 175 Prozent. Streng genommen müsste man noch mal acht Prozent für die zusätzliche 13. Leerung abziehen. Aber das fällt dann auch nicht mehr ins Gewicht.

Der eingeplante Chip lässt erahnen, wohin der Weg führt: In absehbarer Zeit folgt im nächsten Schritt die Abfallberechnung pro Masse. Im Prinzip richtig, allerdings darf man gespannt sein, ob wenigstens dann die Gebühren in der Summe nicht weiter erhöht werden.

Selbstverständlich ist das vorgegebene Ziel, weniger Müll zu produzieren, völlig richtig, aber der Weg dorthin offenbar der völlig falsche. Das ist eine dreiste Abzocke der Bürger durch die Hintertür, die Verschlechterung des Services bei gleichzeitiger Gebührenerhöhung in den meisten Fällen. Der Kreistag sollte die Entscheidung noch mal überdenken und dringend nachverhandeln.

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