Leserbrief: It’s Showtime

Leserbrief : It’s Showtime

Zu den Plänen, in Wäldern Platz für Windkraft zu schaffen, schreibt diese Leserin:

Frau Klöckner tänzelt momentan im legeren Freizeitlook und betroffenem Blick durch die Wälder und verspricht finanzielle Hilfe. Aber ist mit der Zahlung von Entschädigungen das DiIemma, in dem wir stecken, zu lösen? Und ist das Thema so neu? Nein, saurer Regen, Borkenkäfer, Windwurf, die Vielzahl an verdichteten Rückegassen, die die Monokulturen licht und angreifbar machen, meterbreite Waldwege, all das belastet unseren Wald schon seit Jahren. Und wir wissen immer noch, wie man eins drauf setzt.

Nicht genug, dass wir in den nächsten Jahren viele Wälder durch menschliches Fehlverhalten verlieren werden, roden wir jetzt auch noch Wälder, um Windkraftanlagen in der Eifel aufzustellen. So wie aktuell bei den geplanten Anlagen in Boxberg und Bongard im Vulkaneifelkreis. Unfassbar, aber leider Realität. Die Betreiberfirmen trösten sofort mit dem Argument, dass Ersatzwälder aufgeforstet werden. Es geht aber nicht darum, eine Wiese zum Wald zu machen – bestehender, gewachsener Waldboden muss erhalten werden. Die offene Wiesenlandschaft mit ihren freien und bewaldeten Hügeln, das ist unsere Heimat. Keine metertiefen Betonfundamente mit einem Durchmesser von 20 Metern, die für immer im Boden bleiben werden, auch wenn uns der Ab- und Rückbau versprochen wird.

Auch ich möchte meinen Strom aus der Steckdose, und das kann nur über einen Energiemix gesteuert werden und ganz besonders über den bewussten Umgang mit Energie. Das ist nicht nur der Strom, den wir zuhause verbrauchen. Es hat ein Umdenken in der Bevölkerung eingesetzt – und jeder soll seinen Unmut, seine Sorge kundtun und sich einmischen. Es ist nicht alles entschieden, auch wenn das oftmals den Anschein hat. Die Betreiberfirmen wirken durch ihre redegewandten Mitarbeiter, ihr Aufgebot an Experten, vom Biologen bis zum Juristen, unantastbar. Sind sie aber nicht – die leidenschaftlichen, klugen und fairen Fragen beim Infoabend Ende Juli in Bongard haben mir gezeigt, dass sich die Eifelbevölkerung nicht für dumm verkaufen lässt. Und trotz der verlockenden Summen die Heimat und die eigene Gesundheit höher eingestuft werden.