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Meinung
Es gibt Kompromisse

Bebauung

Zum Artikel „Die Bitburger Klötze-Debatte“, TV 19. September, meint diese Leserin:

Fast macht es mich als eine „der wenigen Nachbarn“, nach deren Ansicht der „Klotz“ in der Straße Im Brühl nicht zu den benachbarten Spitzgiebelhäuschen passt, ein bisschen stolz, dass unser Zwergenaufstand 2014 Frau Schommer so nachhaltig im Gedächtnis geblieben ist. Und wer wohnt in den kleinen Häusern neben dem Klotz? Lauter alte Menschen, die ohnehin damit überfordert sind und egoistisch all den schönen Platz beanspruchen, auf dem man Hochhäuser bauen könnte, damit Bitburg endlich ein großstädtisches Flair bekommt, so der Tenor früherer Artikel aus ihrer Feder.

Bei diesen Klötzen, die alle aussehen, wie nach Schema F in Serie produziert - man fühlt sich an die Plattenbauten in den neuen Bundesländern erinnert, die man heute gerne los wäre - handelt es sich übrigens keineswegs um „bezahlbaren Wohnraum“, sondern um nicht besonders preiswerte Eigentumswohnungen, von denen ich nicht weiß, ob sie wirklich familienfreundlich sind. In manche ist jedenfalls noch keine Familie mit Kindern eingezogen. Im Gegenteil. Einer der Mieter - scheinbar wurden die Wohnungen als Investitionsobjekt gekauft und vermietet - ist bereits ausgezogen, weil er eine Familie möchte und die Wohnung dafür zu klein ist. Außerdem hätte er gern einen Garten. Nanu?

Ich persönlich habe gar nichts gegen modernen Baustil, aber alles dort, wo es hinpasst. Man kann diese Schuhkartonarchitektur nicht einfach beliebig in jede sich bietende Lücke pflastern. Und soll Bitburg wirklich demnächst aussehen wie überall? Im Urlaub sucht man die Idylle, aber zu Hause? Weg damit.

Wenn man nicht jedem Trend hinterherläuft und nicht immer den Weg des geringsten Widerstandes wählt, gibt es bestimmt attraktive Kompromisse. Ein Beispiel für einen solchen baut die Bauunternehmung Weiler in der Theobald-Simon-Straße auf dem Grundstück, das seinerzeit den Beginn dieser Firma gesehen hat. Ein modernes Haus, das sich trotzdem in die umgebende Bebauung einfügt.

Wer Lust und Zeit hat, kann ja mal zu Fuß durch Bitburg spazieren, statt nur auf der Umgehung zum Supermarkt zu fahren.

Bitburg ist in Teilen wirklich potthässlich. Da gibt es vieles, das nicht der Erhaltung wert ist, aber es abzureißen und stattdessen einen 08/15-Bau neben den anderen zu setzen, macht es nicht besser.  Und den viel besungenen bezahlbaren Wohnraum in Hochhäuser pferchen, ist kein zukunftsweisendes Konzept.

Eva Bauche-Eppers, Bitburg