Leserbrief: Numerus Clausus sollte hinterfragt werden

Leserbrief : Numerus Clausus sollte hinterfragt werden

Ärztemangel auf dem Land

Zu unserem Bericht „100 000 Euro für eine Praxis-Nachfolge“ (TV vom 15. November) schreibt diese Leserin:

Schlagzeilen wie „Ärzte fehlen, Kliniken in Not“, „Rezept gegen Ärztemangel?“, oder „Der Eifel gehen die Ärzte“ liest man inzwischen beinahe täglich. Jüngst der Bericht im Lokalteil des TV: „100 000 Euro für eine Praxis-Nachfolge“.

Die Region ist nicht nur vom Ärztemangel bedroht, er nimmt langsam, aber sehr sicher Gestalt an. Was wird dagegen unternommen? Da gibt es die Idee, dass sich angehende Medizinstudenten verpflichtend zehn Jahre im Voraus entscheiden sollen, Hausarzt in der Eifel zu werden. Das wäre vergleichbar damit, sich in der dritten Klasse entscheiden zu müssen, welchen Studiengang man nach dem Abitur absolviert –  und sich dafür verbindlich festzulegen. Ach ja und wenn man sich während des Studiums doch mehr für die Augenheilkunde interessiert? Immerhin ein Fachgebiet, in dem ein ähnlich großer Mangel an Nachfolgern herrscht, wie bei den Hausärzten. Aber bei einem Wechsel würde man den Vertrag brechen und könnte mit horrenden Summen rechnen.

Deshalb ist das ein sehr unausgereifter Vorschlag, der im Übrigen auch erst in zehn bis 15 Jahren Wirkung zeigt und nur für 16 bis 17 ausgebildete Landärzte pro Halbjahr sorgt – die noch dazu in ganz Rheinland-Pfalz verteilt werden. Zudem sollen Studierende mit Geldzuschüssen gelockt werden, ihr Praktikum in einer Landarztpraxis zu absolvieren. Hier besteht anscheinend der kleine Funke Hoffnung, dass ihnen das Landleben und die personenorientierte Behandlung mehr zusagt, als das ihnen bekannte Leben in der Stadt, in der sie studieren. Meiner Meinung nach sollten gute Ärzte nicht käuflich sein.

Hier schreibt Ihnen eine Anwärterin, die genau das ist, was so dringend gesucht wird. Mein Ziel ist es Ärztin auf dem Land zu werden, in meiner Region zu bleiben, bei den Menschen zu sein, mit denen ich aufgewachsen bin und hier meinen Teil in der medizinischen Versorgung zu leisten.

Ich habe eine Ausbildung als Arzthelferin absolviert, um dem Studienplatz ein kleines Stück näher zu kommen. Warum ich nicht direkt studiert habe, sondern arbeite? Weil meine Abiturnote mit einer zwei nicht gut genug war und ich sieben Jahre auf einer Warteliste verbringen muss, bis ich regulär anfangen durfte zu studieren.

Dass sich die Abiturnote aus verschiedenen Fächern zusammensetzt, ist sicher bekannt. Nun könnte man sich eventuell fragen, ob ich ein schlechterer Arzt werden würde, weil ich beim Hürdenlauf in Sport nicht schnell genug war, um eine Eins zu bekommen oder eine nicht ganz gelungene Analyse eines Gedichtes aus dem Jahre 1658 mich darin beeinträchtigt, jemanden mit genügend Einfühlungsvermögen und Genauigkeit zu behandeln.

Diese Fragen werden wohl vorerst noch unbeantwortet bleiben. Fakt ist allerdings, dass bei der Abiturnote alle Fächer einbezogen werden, ob diese nun aussagekräftig sind oder nicht, ist irrelevant. Was zählt ist das Endergebnis und dieses sorgt dafür, dass ich jetzt seit drei Jahren warte und in einem Beruf arbeite, der mir zwar großen Spaß bereitet und mich auf den Beruf des Arztes vorbereitet, aber eben nicht das ist, was ich am liebsten tun würde: nämlich das Studium beginnen und somit schneller ein Teil der Sicherung der kommenden medizinischen Versorgung der Region zu werden.

Es wird mit 100 000 Euro und anderen Summen geworben, um Ärzte heranzulocken – und die Menschen, die es aus ihrem Herzen heraus gerne tun würden, und die diese Region ihre Heimat nennen bleiben dabei auf der Strecke und werden gezwungen zuzusehen, wie immer größere Lücken in der Versorgung entstehen.

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