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Schließung der Grundschule Oberkail

Leserbrief : Lebendig begraben?

Zur geplanten Schließung der Grundschule Oberkail (TV vom 3. Januar) schreibt diese Leserin:

Die Grundschule Oberkail soll geschlossen werden – unter anderem, so argumentiert die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier, weil angeblich nicht alle Eltern ihre Kinder nach Oberkail schicken. Hier wurden offensichtlich die Fakten falsch interpretiert.

Die Faktenlage ist folgende: Lediglich drei Kinder wurden an drei verschiedenen Nachbarschulen eingeschult aus Gründen der nachmittäglichen Betreuung. Kein Elternpaar hat sein Kind aus pädagogischen Gründen oder wegen mangelnden Vertrauens in einer anderen Schule angemeldet. Wie kann man da von fehlender Akzeptanz der Eltern reden?

Reden wir einmal ernsthaft über diese Eltern: Sie haben sich mehr für „ihre Schule“ eingesetzt als diejenigen an vielen anderen Schulstandorten – denke ich da nur einmal an die vielen freiwilligen Einsätze an Material und Freizeit bezüglich der Schulgestaltung, der Errichtung des Spielplatzes, der Schulfeiern, der Altentage, des PC-Raumes, außerdem an die freiwilligen Lesemütter, die AG-Mütter... Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen.

Ein weiteres Argument war das befürchtete Absinken der Klassenstärken. Wie kann das sein? Zeigt doch die Statistik steigende Zahlen, und somit könnte ab dem Schuljahr 2020/21 wieder eine dritte Klasse gebildet werden. Die Schule wäre dann von der Prüfung ausgenommen. Denn laut Paragraf 15, Absatz 5 der Leitlinien für ein wohnortnahes Grundschulangebot heißt es, dass in Ausnahmefällen bei einer vorübergehend nicht erreichbaren Mindestgröße von der Schließung abgesehen werden kann, wenn besondere Gründe dafür sprechen. Und das ist doch wohl hier der Fall.

Wieso spricht man bereits von der Schließung, wenn das Verfahren dazu noch nicht einmal eröffnet worden ist? Noch kann der Schulträger die Faktenlage klarstellen und neu bewerten.

Ein erster Schritt des Schulträgers wäre die Richtigstellung der Faktenlage. Darüber hinaus hätte er noch weitere gute Argumente: die besonderen Stärken der Differenzierung, der vorbildlichen pädagogischen Initiativen zur Inklusion und Integration, die Teilhabe kranker Kinder via Skype am Unterricht, speziell eingerichtete Arbeitsplätze für Kinder mit Behinderungen oder das Kinderparlament. Die Schule nimmt teil an Projekten zur Gesundheitsförderung, der Sucht- und Gewaltvorbeugung, kooperiert mit dem Kindergarten, bietet „Schnupperunterricht“ für Vorschulkinder an, ist Teil des Projekts „Betreuende Grundschule“, das ermöglicht, Eltern ein flexibles Betreuungsangebot zu machen und vieles mehr. Hinzu kommt: Die Schule ist in das lebendige Dorfleben nicht nur von Oberkail, sondern auch von Gindorf und Gransdorf eingebettet, stärkt den Zusammenhalt in den Dörfern und die Verankerung in der Heimat. Für nächstes Schuljahr ist ein „grünes Klassenzimmer“ in Zusammenarbeit mit der Arenbergschen Forstverwaltung angedacht. Welche andere Schule hat schon solche außerschulischen Lernorte?

Die vollständige Auflistung der Argumente findet sich auf Facebook und demnächst auch auf der Homepage der Grundschule Oberkail.

Zusammenfassend kann ich wohl sagen: Man sollte sich hier noch einmal der Stärken dieser Schule bewusst werden und vor allem die objektive Faktenlage zur Basis der Entscheidung heranziehen, die die Anwendung der Ausnahmeregelung für diese besondere Schule rechtfertigen.

Beate Kling, Seinsfeld (langjährige Leiterin der Grundschule Oberkail, Anm. d. Redaktion)