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Leserbrief: Weit entfernt von Maximalnutzung

Leserbrief : Weit entfernt von Maximalnutzung

Windkraft

Zum Artikel „Gremium will nur in Toplagen Windräder haben“ im  TV vom  9. Juli schreibt dieser Leser:

In der Infobox des Artikels findet sich der Satz: „Jede dieser Anlagen kann im Betrieb 4,1 Megawatt leisten.“ Dieser Satz ist richtig. Doch so absolut darf man ihn nicht stehen lassen, verleitet er doch zu Täuschung. „Anlage kann 4,1 Megawatt leisten.“ Muss sie aber nicht!

Es ist viel wahrscheinlicher, dass die Windenergieanlage (WEA) es durchweg nicht kann. Einmal abgesehen davon, dass die Leistung des Windradtyps SWT-DD-142 präziser mit seiner Spanne von 3,5 bis 4,1 Megawatt  anzugeben wäre, handelt es sich bei dieser Leistungsangabe um die „Nennleistung“ oder „installierte Leistung“. Das ist die maximale Leistung der Anlage, die sie erst bei Erreichen der Nennwindgeschwindigkeit erbringen und dann nicht weiter überschreiten kann, egal wie stark der Wind wehen mag. Da die Windgeschwindigkeit in der dritten Potenz in die Berechnung der elektrischen Leistung eingeht, folgt daraus, dass eine solche Anlage bei nur halber Nennwindgeschwindigkeit nur ein Achtel der Nennleistung erbringt. Auch bringt eine WEA ihre Nennleistung nicht in allen 8760 Stunden eines Jahres. Sie wird wegen Wartung oder bei sehr starken und somit schädigenden Windereignissen außer Betrieb genommen, oder der Wind bläst mit geringerer Geschwindigkeit (siehe oben) – oder er bläst erst gar nicht. Da ist dann die Leistung der WEA ein gutes Stück weit weg von den 4,1 Megawatt.

Als Maß für den tatsächlichen Nutzungsgrad einer solchen Anlage wird die „Volllaststundenzahl“ verwendet. Sie gibt an, wie viel Stunden die Anlage gelaufen wäre, um die tatsächliche Jahresenergieproduktion (in MWh) zu erreichen, - wenn sie nur unter Volllast (3,5 bis 4,1 Megawatt) gelaufen wäre und sonst stillgestanden hätte. Diese Volllaststundenzahl variiert für WEA (onshore; 10-Jahresmittel in 2016; Neuanlagen seit 2013) derzeit zwischen 1651 und 2150 Stunden. Das ist weit weg von 8760 Stunden. Der Jahresnutzungsgrad (Anzahl der Volllaststunden dividiert durch die 8760 Stunden eines Jahres; in Prozent) variiert zwischen 18,8 und 24,5 Prozent. Und das ist  weit weg von 100 Prozent Nutzungsgrad. So viel zur Relativierung der im TV-Info gemachten Angabe. Nicht dass da noch jemand Euro-Zeichen in die Augen bekommt!