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Aus dem Kuriositätenkabinett

Leserbrief : Aus dem Kuriositätenkabinett

Photovoltaik

Zum Artikel „Geschenkt ist noch zu teuer“ (TV vom 7. Januar) schrieb uns Ute van den Bosch aus Bernkastel-Kues:

Ein Lehrstück aus dem Kuriositätenkabinett der deutschen Energiepolitik. Eine Photovoltaikanlage, die laut Zeitungsbericht selbst nach 23 Jahren „technisch und auch ertragsmäßig für ihr Alter noch in einem guten Zustand“ ist und weiter CO2-freien Strom liefern könnte, soll abgebaut werden, weil sich keine wirtschaftliche Verwendung finden lässt.  Das ist doch ein jämmerliches Bild für den Gesetzgeber. Der hat, dank erfolgreicher Lobbyarbeit der Energieversorger dafür gesorgt, dass der erneuerbare Strom aus dieser Photovoltaikanlage ins öffentliche Stromnetz eingespeist werden muss und nicht ortsnah vermarktet werden darf. Das muss man sich wirklich mal vorstellen: Der Gesetzgeber verhindert aktiv, dass sich Stromnutzer vor Ort mit günstigem CO2-freiem Strom versorgen können, bei dem auch gleichzeitig die Stromnetze entlastet werden.  

Und es ist ein jämmerliches Bild für RWE: Angeblich ist kein Geld mehr übrig, diese Vorzeigeanlage aus der Pionierzeit der solaren Energienutzung weiter zu betreiben. Gleichzeitig ist sich der Großkonzern nicht zu schade, über Milliardensubventionen durch uns Steuerzahler (und großzügig durch die Bundesregierung genehmigt), die unwirtschaftlichen und extrem umweltschädlichen Braunkohlekraftwerke noch jahrelang weiter zu betreiben und dabei weiter ganze Landstriche zu verwüsten.

 Allein schon aus Marketinggründen sollte RWE ein Interesse daran haben, diese PV-Anlage in Salmtal weiter am Netz zu halten. Es könnte exemplarisch gezeigt werden, wie sich der grüne Strom nach Ablauf der Förderung vor Ort sinnvoll nutzen lässt, anstatt die Anlage abzubauen. Die Kosten dafür könnte der Konzern wahrscheinlich aus der Portokasse zahlen.  Hinweis: Der Jahresabschluss der RWE AG für 2019 zeigt, dass Vorstand und Aufsichtsrat zusammen Vergütungen von knapp zehn Millionen Euro erhalten haben und der Konzern ein Ergebnis von 514 Millionen Euro (nach Steuern) erwirtschaften konnte. Bei diesen Zahlen soll kein Geld mehr übrig sein, um eine PV-Anlage mit 29 Kilowatt installierter Leistung zu betreiben?  Es wird höchste Zeit, dass wir eine Regierung bekommen, die es nicht bei Lippenbekenntnissen für mehr Energiewende belässt. Wir brauchen politische Entscheider, die auch das Durchsetzungsvermögen haben, alle gesetzlich geschaffenen Hemmnisse bei der ortsnahen Nutzung von Erneuerbaren Energien abzuschaffen. Nur so lässt sich die Energiewende wirklich vorantreiben. Und wir müssen endlich Konzerne bekommen, die sich ihrer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung stellen, die sich aus deren Wirtschaften auf die Umwelt, das Klima und die nachfolgenden Generationen ergeben. Schließlich haben Konzerne keine Kinder und Enkel, Menschen aber schon.