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Leserbrief
Aushängeschild der Stadt

Tourismus

Zum Artikel „Goethe und die Millionen“ vom 14. September schreibt dieser Leser:

Schaut man sich auf den Internetseiten der Traben-Trarbacher Touristinformation um, gewinnt man schnell den Eindruck, Traben-­Trarbachs Bedeutung als Wein- und Handelsstadt hätte erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begonnen. Die großen Weinkeller (die sogenannte „Traben-Trarbacher Unterwelt“) aus dieser Zeit und die zahlreichen Jugendstilbauten würden bis heute ein Beispiel dafür ablegen. Manch andere bedeutende städtische Denkmäler scheinen da aber nicht so ganz in das touristische Konzept zu passen, oder warum werden zum Beispiel die Grevenburg, die Festung Mont Royal oder auch das „Palais Böcking“ nur sehr kurz und eher lieblos abgehandelt?

Der Stadtteil Trarbach war seit dem Aussterben der Sponheimer Grafen im Jahr 1437 ein wichtiger Verwaltungssitz und profitierte schon früh von seiner strategisch günstigen Lage an der Mittelmosel. Bereits im frühen 16. Jahrhundert war Trarbach ein wichtiger Umschlagplatz für die in der Hinteren Grafschaft Sponheim geförderten Kupfererze.

 Ab dem späten 16. Jahrhundert wird die Überlieferung über Exporte von Moselweinen, die damals schon nach Thionville, Namur, Dinant, Lüttich, Aachen oder Köln gingen, dichter. 1669 beschreibt Johann Hofmann in seiner Trorbachischen Ehrensäul die Weinhändler „aus Holland, Seeland, Engeland und von andern Ohrten her“, die in großer Zahl per Schiff nach ­Trarbach kamen, um dort mit „reicher und schöner Barschaft“ große Mengen an Wein einzukaufen: Das sehr zum Wohle der Stadt und seiner Einwohnerschaft!

Im 18. Jahrhundert lassen sich dann schließlich zahlreiche Handelsniederlassungen Trarbacher Bürger im Ausland unter anderem in Genua, Riga, Dordrecht und Rotterdam nachweisen. Auch der Handelsmann Johann Adolph Böcking (1695-1770), Bauherr des heute als Mittelmoselmuseum genutzten Hauses, profitierte von dem schon damals florierenden Weinhandel.

Dass das Mittelmoselmuseum als eines der wenigen barocken städtischen Denkmäler vom gewaltigen Stadtbrand von 1857 verschont geblieben ist, sollte heute umsomehr Anlass sein, endlich in das Haus zu investieren. Nicht nur die Bausubstanz ist unbedingt erhaltenswert, auch das Inventar, das zu einem großen Teil vom Museumsgründer Ernst Willen Spies (1898–1975) zusammengetragen wurde, ist bis weit über die Grenzen der Region hinaus einzigartig! Viele Leitungen benachbarter Museen wären sicherlich sehr froh, wenn sie nur über einen Bruchteil der im Mittelmoselmuseum befindlichen Ausstellungsstücke verfügen könnten.

Offenbar war das Mittelmoselmuseum über Jahrzehnte hinweg im städtischen Bewusstsein ein verkanntes Kulturerbe. Vielleicht ist es so zu erklären, dass die seit mindestens 20 Jahren unbedingt nötigen Renovierungen immer wieder aufgeschoben wurden, denn Fördermöglichkeiten gab es auch schon früher. Ohne die großen Investitionen des Museumsvereins und den Tatendrang seines Vorstands würde das Gebäude heute noch viel schlechter dastehen.

Zu hoffen ist, dass das Museum von dem neuen Förderprogramm des Bundes profitieren kann. In diesem Zusammenhang müsste man auch endlich über eine adäquate Unterbringung der nicht ausgestellten Sammlungsstücke und ein Stadtarchiv nachdenken. Das wären nämlich weitere wichtige Baustellen in der Auseinandersetzung mit der eigenen Stadtgeschichte. Schließlich sollte das Museum endlich zu dem werden, was es eigentlich verdient: zu einem touristischen Aushängeschild der Stadt Traben-Trarbach!

Peter Schößler, Ravengiersburg