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Stadt Wittlich ehr erfolgreiche Sportler

Sport : Trotz Corona und Krieg: Wittlich ehrt seine Sportler

Immerhin doppelt so viele Sportler wie 2021, aber nur ein Drittel so viele wie vor der Corona-Pandemie waren zur Sportlerehrung der Stadt Wittlich geladen.  

Mitgliederschwund durch Corona oder Kostensteigerungen beim Schwimmbad-Neubau durch den Ukraine-Krieg: Die großen Krisen in der Welt wirken sich auch auf den Sport in Wittlich aus. Ein kleiner Hoffnungsschimmer: Mit 27 Sportlern zwischen zwölf und 76 Jahren waren doppelt so viele zur Ehrung der Stadt Wittlich geladen, wie im Vorjahr (13). Medaillen bei Deutschen Meisterschaften haben sie im Vorjahr gewonnen oder sie sind Landesmeister geworden. Entweder im Trikot eines Wittlicher Vereins oder sie leben in der Säubrennerstadt.

Dass sich trotz der Verdopplung immer noch nur etwa ein Drittel so viele Sportler im Neuen Rathaus trafen, wie 2019, ist eine Auswirkung von Corona. Ein Grund: Trainingsbeschränkungen und viele Wettkämpfe fielen wegen Infektionsschutzmaßnahmen aus. „Es ist schon erstaunlich genug, dass Wettkämpfe stattfinden konnten“, sagte Joachim Rodenkirch. Ein weiterer Grund: „Durch Corona haben wir einen Mitgliederschwund zu verzeichnen, besonders im Jugendbereich“, hat Wittlichs Bürgermeister der Vereinsstatistik entnommen und sieht eine zuweilen dramatische Entwicklung: „Teilweise kommen Mannschaften nicht mehr zustande.“

Vielleicht ein Grund, weshalb wie schon vor einem Jahr die klassischen Mannschaftssportarten komplett fehlten. So kam die Vielfalt, die die rund 30 Wittlicher Sportvereine zu bieten haben, auch nicht ganz zum Ausdruck. Gefehlt haben auch die Schwimmer. Denen machte Rodenkirch aber zumindest langfristig Mut: Der Schwimmbad-Neubau werde umgesetzt „trotz steigender Kosten.“ Das sei eine Folge des Ukraine-Kriegs. Um die Vielfalt des Sports darzustellen, schwebt dem Bürgermeister weiterhin ein Tag des Sports vor, bei dem die Vereine ihr Angebot präsentieren können und man miteinander ins Gespräch kommt.

Wie wichtig die Kommunikation, vielleicht auch durch den Sport angestoßen ist, konnte Reinhold Blum eindrucksvoll berichten. Der 76-Jährige vom SV Grünewald Lüxem ist Rheinlandmeister der Altersklasse M 75 im Straßenlauf über zehn Kilometer, aber alles andere, als ein alter Hase. „Ich habe vor drei Jahren angefangen zu laufen. Vorher habe ich leistungsmäßig nie Sport getrieben“, erzählte Blum. Zum Laufen gekommen sei er nach dem Tod seiner Frau. Er wäre vielleicht lethargisch geworden vor Trauer. „Aber ich habe einige nette Leute kennengelernt, die haben gesagt: Lauf mit!“ Er machte einen Lauf-Anfängerkurs, lernte neue Freunde und seinen sportlichen Ehrgeiz kennen.

Dem frönen einige Senioren schon seit Jahren, teilweise Jahrzehnten. So wie Monika Pawelke vom Karate Club Wittlich, die im vergangenen Jahr ihren ersten deutschen Meistertitel feierte. Man überlege Jahr für Jahr, ob man weitermache, sagte sie. Nicht der eigene Erfolg stehe aber eigentlich im Vordergrund, betonte Pawelke: „Das nächste Ziel wäre es, im nächsten Jahr mit jungen Leuten hier zu stehen und das als Trainer zu sehen.“

Ohne die Übungsleiter, aber auch die übrigen ehrenamtlichen Betreuer und engagierte Eltern funktioniere der Sport gerade im Nachwuchsbereich nicht, sagt auch Rodenkirch: „Das ist wertvolle Arbeit, die man mit Geld nicht aufwiegen kann.“