1. Meinung
  2. Leserbriefe

Zum Bernkasteler Klösterchen schreibt Wolfgang Gilles aus Bernkastel-Kues

Stadtbild : Was passiert mit dem alten Kloster?

Stadtbild

Zu den Berichten zum Bernkasteler Klösterchen (wir berichteten mehrfach) erreichte uns dieser Leserbrief von Wolfgang Gilles aus Bernkastel-Kues:

Wie der TV in der Ausgabe vom 8. Dezember 2020 berichtete, kann das Altenheim Kloster zur Heiligen Familie, das von der St.-Raphael-Caritas-Alten- und Behindertenhilfe GmbH getragen wird, ab Anfang 2023 im Stadtkern von Bernkastel nicht weiter betrieben werden. Als Eigentümerin der Immobilie muss sich der Stadtrat über die zukünftige Nutzung nun Gedanken machen. Seit 1655 stand an dieser Stelle eine Kirche mit einem Kloster des Kapuzinerordens, das 1802 im Zuge der Säkularisation aufgelöst wurde und in den Besitz der Stadt- und Pfarrgemeinde Bernkastel überging. Die Gebäude wurden als Pfarrhaus, Schule, Krankenhaus und Lagerstätte genutzt. Der große Stadtbrand in Bernkastel vom 25. August 1857 richtete das ehemalige Kloster der Kapuziner bis auf die Umfassungsmauern zugrunde. Mit Einwilligung des Stadtrates und unter der Mitwirkung des damaligen Pfarrers August Dorbach errichtete Jodocus Prüm, ein wohlhabender Wehlener Bürger, 1869 auf den Ruinen ein Kranken- und Waisenhaus. Diese Stiftung war der Ursprung des heutigen Altenheims.

Pastor Dorbach übernahm die Aufgabe, die Kirche wieder würdig herzustellen. Der damalige Trierer Bischof Mathias Eberhard stiftete für die Kapelle einen Schnitzaltar aus der Pacher-Schule. Die Schwestern aus der Genossenschaft der Armen Dienstmägde Jesu Christi von Dernbach zogen 1870 in dieses Heim ein und wirkten hier karitativ bis zur Aufhebung der Schwesterniederlassung. 1973 übernahm der Caritasverband Trier die Betriebsträgerschaft über das Altenheim, und 2009 ging die Trägerschaft der Einrichtung auf den heutigen Träger über.

Bleibt zu hoffen, dass das Haus auch in Zukunft seinen sozialen Charakter behält. Eine Nutzung des Gebäudes mit kleineren, überschaubaren Wohneinheiten für noch selbstständige, rüstige Senioren mitten in der Altstadt mit weitem Blick über das Moseltal wäre eine Möglichkeit, das alte Erbe mit neuem Leben zu erfüllen.