Leserbriefe : Verwöhnte Jugend,  verhöhnte Boomer, vergeigte Klimapolitik?

Umweltschutz und Fridays-For-Future-Bewegung

Zum Interview mit der 19-jährigen Fridays for Future-Aktivistin Imoen Fredrich aus Newel (Trierischer Volksfreund vom 27. Mai) sowie dem Leserbrief von Josef Alten „Undank ist der Welten Lohn“ (Trierischer Volksfreund vom 2. Juni): 

Der Leserbrief von Josef Alten wird im Ton und Inhalt weder dem Interview mit Frau Imoen Fredrich noch dem Ernst der Lage in Sachen Klimawandel gerecht.

Nein, ich bin nicht in den 1970ern groß geworden, sondern als Jahrgang 1945 etwas davor. Aber schon 1962 war ich von Rachel Carson mit ihrem Buch „Silent Spring“ (= Stummer Frühling) geschockt, die bereits damals belegte, dass der verschwenderische Einsatz von Umweltgiften wie DDT, Lindan und anderen polychlorierten  Kohlenwasserstoffen die Natur schwer schädigte, weil von Insekten beginnend die gesamte Nahrungskette negativ getroffen wurde. Zu dieser Zeit hatte ich bereits mehrere Jahre Tätigkeit in Landwirtschaft und Feldgemüsebau hinter mir.

1972 kam eine noch ernstere Warnung des Club-of-Rome heraus. Die Grenzen des Wachstums wurden da deutlich aufgezeigt. Eine ungeheuerliche Ignoranz und Feindseligkeit gegen die dort aufgezeigten Folgen für die gesamte Menschheit folgte. Nicht einmal der Ölboykott von 1973 bewirkte ein Umdenken wenigstens bei der Verkehrspolitik.

Atomkraftwerke, die so dumm waren wie der biblische Turmbau zu Babel, wurden gegen massiven Widerstand durchgedrückt. Als Beispiel seien hier der sogenannte Schnelle Brüter in Kalkar genannt, bei dem mehr Energie herauskommen sollte als hineingegeben wurde – also so eine Art perpetuum mobile.

Oder auch der Reaktor in Mülheim-Kärlich, der baugleich mit dem Reaktor Three-Miles-Island in Harrisburg war. Alles unsinnig, umfunktioniert zum Freizeitpark  (Kalkar) oder abgerissen (Mülheim-Kärlich).

Das alles wurde von Experten (keine Rotznasen) geplant, finanziert und durchgeführt und Widerstände wurden, teils mit brutalster Polizeigewalt, plattgemacht. Es ist auch keine Frage der Dauer von Erwerbstätigkeit oder Lebensalter zu merken, dass es auf der Erde klimatisch ständig etwas ungemütlicher wird.

Und Frau Fredrich hat allen Grund zu fordern, denn ihre und die nachfolgenden Generationen werden nicht nur finanziell, sondern auch mit ihren Lebensbedingungen dafür aufkommen müssen, was die Generationen davor, sowohl die von Herrn Alten als auch die meinige, an der Umwelt verbrochen haben.

 

Freitags gehen unsere Kinder jetzt wieder demonstrieren für mehr Klimaschutz. Ich glaube aber, derzeit haben wir mehr Probleme mit Covid-19 als mit dem Umweltschutz.

Ich bin kein Gegner des Themas Umweltschutz, aber viele Menschen haben Angst um ihren Arbeitsplatz und wissen nicht, wie sie die laufenden Kosten bestreiten sollen. Hier ist unsere Hilfe wichtiger als beim Klimaschutz.

Zudem stelle ich mir immer wieder die Frage: Wo beginnt denn der Klimaschutz? Jeder kann, auch unsere Kinder, zum Klimaschutz beitragen. Da gäbe sehr viele Möglichkeiten.

Zum einem das Internet, hier entsteht laut einigen Studien inzwischen ein mindestens genauso hohen Ausstoß an Treibhausgasen wie bei der Luftfahrt.  Hier könnten viele Schadstoffe eingespart werden. Man müsste nur mal einige Stunden am Tag auf das Internet verzichten.

Eine andere  Möglichkeit ist, darauf zu achten, wo unsere Lebensmittel herkommen. Trauben aus Indien oder Chile: Das muss nicht sein.

Müll vermeiden ist auch ein großes Thema, die Straßenränder sind voll Müll, ob Getränkedosen, Plastikmüll oder Pappe.

Ich habe nur wenige Maßnahmen aufgezeichnet, mit denen alle zum Klimaschutz beitragen können.

Mein erster Eindruck über die Klimaaktivistin: Sie ist eine typische Vertreterin  einer naiven, selbstgerechten und verwöhnten Enkelgeneration.  Als sogenannter „Boomer“ gehörten meine Eltern zur Kriegsgeneration, mein Vater und meine Mutter haben nach dem Krieg Deutschland wieder mitaufgebaut.

Umweltschutz kannte ich nicht, weil: Ich bin  zu Fuß zur Schule gegangen, acht Kilometer jeden Tag, auch samstags. Milch wurde in einer Zwei-Liter-Kanne nach Hause getragen, zusammen mit einem 500 Gramm großen, in Papier eingepackten Butterstück. Fleisch gab es nur sonntags oder an Feiertagen. Das erste Fernsehgerät kam ins Haus, als ich 14 Jahre alt war.

Für den Sommer hatte ich eine kurze Lederhose, für den Winter ein dreiviertellange. Meinen ersten Anzug gab es zur Kommunion, und der wurde nur an Sonntagen getragen, weil er teuer in der Anschaffung war.

In unserer Wohnung gab es nur im Wohnzimmer einen mit Holz oder Kohle betriebenen Ofen, und der war auch nur an, wenn es um die null Grad kalt war. In die beim Metzger verwendeten Papiertüten wurden die Butterbrote meines Vaters für die Arbeit eingewickelt, und zwar so lange, bis die Tüte nur noch mit einem Gummi zusammenzuhalten war.  Einkäufe wurden in Einkaufsnetzen nach Hause getragen, Getränkeflaschen der Wiederverwendung zugeführt. Um mein Taschengeld aufzubessern, habe ich Altpapier gesammelt und zum Altwarenhändler gebracht. Aber Umweltschutz war mir kein Begriff!

Ich wurde so erzogen, den von mir verursachten Müll in der entsprechenden Tonne zu entsorgen. Das Problem ist nicht die „Boomer“-Generation, es sind die darauffolgenden  Generationen. Darüber sollten die Klimaaktivisten mal in aller Ruhe nachdenken.