Leserbrief : Parteipolitik siegt über Klimapolitik“ und „Wenig motivierend für engagierte Bürger“

Elterntaxis in Trier

Zum Artikel „Streit um ,Eltern-Taxis’ vor Trierer Schulen“ und dem Kommentar „Ein wichtiges Thema viel zu lange auf die lange Bank geschoben“ (TV vom 3. Juli):

Rainer Neubert bringt es auf den Punkt: „Vielleicht war die Chance auf eine erneute politische Niederlage der größten Fraktion im Stadtrat in diesem Fall wichtiger, als eine sachliche Entscheidung.“

Ja, wie so oft in den vergangenen Jahren siegte wieder einmal Parteipolitik über Klimapolitik. Sind sich die Parteien eigentlich darüber im Klaren, dass sie aufgrund des BVG Urteils vom März dieses Jahres, gesetzeswidrig handeln? („Die aus Artikel  2 Abs. 2 Satz 1 GG folgende Schutzpflicht des Staates umfasst auch die Verpflichtung, Leben und Gesundheit vor den Gefahren des Klimawandels zu schützen. Sie kann eine objektivrechtliche Schutzverpflichtung auch in Bezug auf künftige Generationen begründen.“)

Ein Vertreter der Generation, für die das BVG Urteil gefällt wurde, hat monatelang zusammen mit verschiedenen Gremien ein Verkehrskonzept entwickelt und wird einfach ignoriert. Es ist eine Schande! Stadträte, Polizei und Ordnungskräfte brauchen sich nicht zu wundern, wenn junge Leute Straßen blockieren, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Sollten nicht die auf die Anklagebank, die nichts dafür tun, dass Deutschland rechtzeitig klimaneutral wird? Moselaufstieg, Industriegebiet auf der Mehringer Höhe, Globus in Zewen: im Grunde genommen sind das – mit Bezug auf das BVG Urteil – die eigentlichen gesetzeswidrigen Handlungen, die auf die Anklagebank gehören.

Auch Frau Lehn, der Elternbeiratsvorsitzenden des AVG, möchte ich zustimmen. Eine Verhaltensänderung der Eltern könnte im vorliegenden Fall eine sofortige Lösung sein. Mein Tipp an die Eltern – wenn es mit dem Auto sein muss: Parken Sie im Alleencenter, holen Sie ihre Kinder zu Fuß ab, lassen Sie sich unterwegs die Neuigkeiten des Tages erzählen, gehen Sie vielleicht sogar noch ein Eis essen. Ein perfekter Einstieg ins Wochenende!


Ein Schüler des MPG Trier, Henry Hofmann, hat monatelang ein Konzept erarbeitet, um die Situation beim Bringen und Abholen der Schüler vom MPG, AMG und der Grundschule am Dom mit „Elterntaxis“ zu verbessern und gefährliche Zusammenstöße im Straßenverkehr vor den Schulen zu vermeiden. Er leitet einen Arbeitskreis „Mobilität“ und fühlt sich den Bündnis90/Die Grünen verbunden.

Für mich ist er ein politisch engagierter junger Mann, der sich für die Anliegen eines Teils unserer Gesellschaft stark macht, seine Ideen mit drei Schulen und dem Schulelternbeirat abspricht und damit ein überzeugendes Demokratieverständnis bekundet. Ein Verhalten, das laut Verlautbarung aller politischen Parteien einen mündigen Bürger ausmacht und ausdrücklich erwünscht wird. Ein zukünftiger Wähler, der nicht nur konsumiert, sondern sich einbringt.

Leider ist das Signal aus dem Stadtrat wenig motivierend für alle engagierten Bürger dieser Stadt. Der Antrag der Fraktion Bündnis90/Die Grünen zur schnellen Umsetzung eines Schulwegekonzeptes unter Berücksichtigung der Ideen des jungen Mannes wurde seitens der anderen Parteien abgelehnt zugunsten eines Konzeptes, das vom Schulamt und dem Verkehrsdezernat noch erarbeitet werden soll.

Wieder wird viel Zeit verstreichen, die teilweise chaotischen Verhältnisse werden sich in naher Zukunft nicht ändern, und es bleibt die Hoffnung, dass es nicht zu einem Unfall kommt. Die Situation an allen Schulen in den Blick zu nehmen, ist sicher richtig. Jedoch bietet das Schülerkonzept die Möglichkeit, im Rahmen eines Modellprojektes Erfahrungen zu sammeln und somit das Tempo für eine gute Lösung zu erhöhen. Oder ging es hier nur um parteipolitische Machtspiele? Das wäre schade und dient nicht dem wichtigen Anliegen!

Übrigens: Einen Teil der Lösung können die Eltern selbst herbeiführen!  Ist es denn notwendig, das eigene Kind bis vor die Schule zu fahren? Ist es möglich, Fahrgemeinschaften zu organisieren? Ist es möglich, meinem Kind einen kleinen Fußmarsch zuzutrauen, um es an einer übersichtlicheren Stelle aus dem Auto zu lassen? Ein rücksichtsvolles, verantwortungsbewusstes  Verhalten beim Bringen/Abholen hat Vorbildfunktion für das eigene Kind und ist eine erzieherisch sinnvolle Maßnahme.