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Gesundheit: Lieb Vaterland, sollst laut mal werden ...

Gesundheit : Lieb Vaterland, sollst laut mal werden ...

Zur Berichterstattung über die Corona-Pandemie schreiben Peter Grasmück, Eberhard Kohl, Hans Fischer, Marian Modemann und Werner Ludgen:

Allmählich beschleicht einen das ungute Gefühl, dass es in Deutschland und auch in der EU unsichtbare, aber umso wirksamere Bremsen gibt, die die Umsetzung so mancher guten Idee unnötig verzögern. Ich unterstelle nicht einmal Absicht. Nachweislich sind Schnelltests, auch von Laien oder selbst durchgeführt, kaum weniger effektiv als professionelle. In anderen Ländern ist die Umsetzung schneller, in Deutschland dauert es. Schnelltests sind Hilfe für Schulen, Familien, die Gastronomie, den Arbeitsplatz und für mehr und mehr und mehr. Und sie könnten den Weg aus der Pandemie beschleunigen. Fragt man nach den Gründen für diese Schneckenhaftigkeit, drängt sich mir der Verdacht auf, dass es neben den politischen Schlafmützigkeiten bürokratische Klötze und Hürden sind, die bremsen. Offensichtlich ist in Deutschland doch nicht „alles bestens geregelt“. In der aktuellen Krisensituation wird das besonders deutlich. In Notzeiten sollte man schneller sein. Und das wäre gewiss auch für „Normalzeiten“ vorteilhaft. Übrigens gibt es diese Lahmarschigkeit nicht nur im Zusammenhang mit den Tests. Siehe Digitalisierung der Schulen und Behörden, die Internetversorgung vieler Orte und Gebiete, die finanzielle Unterstützung von Betrieben, Kleinunternehmern und Kunstschaffenden.

Peter Grasmück, Taben-Rodt

Zu den vorgezogenen Impfungen von Landräten, Bürgermeistern, Priestern …:

Aus meinem Geschichtsunterricht habe ich bis heute diese Episode bewahrt: Alexander der Große führte sein Heer durch die Wüste. Als alle kurz vor dem Verdursten waren, erschien ein Späher, der eine Oase entdeckt hatte, vor dem König mit einem Helm voll Wasser. Der Heerführer nahm den Helm, kippte ihn um, sodass der kostbare Inhalt vor den Augen seiner Soldaten in den Sand floss.

Nun sind Landräte, Bürgermeister und Priester sicher nicht auf einer Stufe mit Alexander, der ja von der Nachwelt das Attribut „der Große“ erhielt, aber ein bisschen seiner Weisheit und Führungsstärke, gepaart mit einem Quantum Selbstlosigkeit hatte ich mir schon von unseren politischen und geistlichen Führern in Zeiten von Corona erträumt. Leider muss ich ihnen die Fähigkeit absprechen, die Außenwirksamkeit ihres Handelns kritisch zu hinterfragen. Wenn der Kapitän eines havarierten Schiffes als Erster die Schwimmweste anlegt, sieht es für Passagiere und Besatzung düster aus …

Eberhard Kohl, Wittlich

Die Heroen, die in vorderster Linie seit einem Jahr gegen die Pandemie gekämpft haben, sie haben wahrlich unsere Wertschätzung verdient. Nur: Die außerhalb der Norm Geimpften gehören nicht dazu!

Sollten wir einem Landrat wie Gregor Eibes nicht dankbar sein für die neue Interpretation des Begriffs „unmoralisch“? Das würde voraussetzen, dass die Norm, gegen die verstoßen wurde, außer­halb unserer Moralvorstellungen läge. Wofür brauchen wir noch den Ethikrat, wenn er amoralische Empfehlungen gibt?

So einfach ist das Ganze also nicht, Herr Eibes!

Weniger Autokratie und Demut vor den Notwendigkeiten dieser Zeit sind wahrlich Herausforderungen, denen offensichtlich nur Persönlichkeiten begegnen können.

Hans Fischer, Bernkastel-Kues

Tja unsere Volksvertreter lassen nichts verkommen. Schon gar nicht in Zeiten der Corona-Pandemie. Wenn es ums Impfen geht, sorgen sie dafür, dass keine Impfdosen ungenutzt verkommen. Sie sind zufällig zur Stelle, mit ganzen Familien, um sich und die Ihren zu opfern, damit keine Impfdosen ungenutzt weggeworfen werden müssen. Sie sorgen sich ebenfalls, dass die Bürger mit Schutzartikeln, Masken, versorgt werden. Dass sie etwas Entgelt bekommen, na ja, war den Bundestagsabgeordneten Georg Nüβlein/CSU und Nikolas Löbel/CDU nicht klar. Immerhin sind sie jetzt zurückgetreten (worden).

Irgendwie fällt mir da der Spruch ein: Staubsaugervertreter verkaufen Staubsauger. Autovertreter verkaufen Autos. Was machen Volksvertreter?

Marian Modemann, Trier

Zur Berichterstattung über die neue Taskforce „Testlogistik“:

Unglaublich: Andy Scheuer und Logistik: Warum lassen wir uns das gefallen? Dass wir Deutsche – was Politik angeht – ein ziemlich geduldiges Völkchen sind (im Vergleich zu anderen Nationen), erfahren wir zur Zeit wieder in einer extremen Form. Die neu gebildete Taskforce „Testlogistik“ soll von zwei „erfahrenen“ – so die Begründung bei der letzten Ministerkonferenz – Politikern geleitet werden: von Jens Spahn und vom lieben Andy Scheuer aus Bayern! Wie bescheuert muss man sein, um auf eine solche Idee zu kommen und die beiden mit Logistik in Verbindung zu bringen?! Beim Bundesgesundheitsminister fehlt mir schon das Verständnis nach all den nicht gehaltenen Versprechungen, die wir bisher geduldig ertragen haben, aber beim Andy aus Bayern geht mir der Hut hoch! Was muss man in unserem Land noch alles falsch machen, damit man endlich gefeuert wird oder den Mut aufbringt und selbst „Servus“ sagt? Dass katastrophales Versagen auf der ganzen Linie in seinem Amt zu einer Beförderung führt, hat schon etwas sehr Befremdliches! Leider versagt in dieser Angelegenheit auch unsere Kanzlerin, die diese Besetzung nicht unterbindet, anscheinend sogar noch unterstützt.

Warum lassen wir uns das gefallen?

Wenn Udo Jürgens seinen kritischen Song „Lieb Vaterland, magst ruhig sein“ heute singen würde, dann würde er bestimmt seinen Text ändern: „Lieb Vaterland, sollst laut mal werden ...“.

Werner Ludgen, Olzheim