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Gesellschaft: Lügen aus dem Internet

Gesellschaft : Lügen aus dem Internet

Zu Berichten über Falschmeldungen, Fake-News, Verschwörungstheorien im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie schreibt Hans-Willi Triesch:

Das Recht auf freie Presse und unabhängige Information ist in unserer Demokratie ein hohes Gut. Nicht nur, aber gerade jetzt in der Corona-Krise wird unser Rechtsgrundsatz unterlaufen und zersetzt. Wie kann man Lügen im Internet erkennen? Es kursieren so viele Fake-News wie noch nie. Das Virus ließe sich mit Chlordioxid bekämpfen oder ein selbstgemachter Mundschutz sei strafbar. Viele sind damit überfordert, Wahres von Unwahrem zu unterscheiden.

Fake-News sind überall. Jugendliche und wir alle haben, besonders in den sozialen Medien, uneingeschränkten Zugang zu Nachrichten. Ein Komet rase auf die Erde zu und sei kurz davor, alles Leben auszulöschen. Die Mehrzahl glaubt wohl nicht diesen Unsinn. Doch was, wenn das Ganze nicht so eindeutig ist?

„Asylanten erhalten täglich Essen für über 16 Euro. Hartz-IV-Empfänger nur 4,72 Euro.“ Kann doch nicht wahr sein. Stammtisch-Parole, kaum überprüfbar, jedenfalls im Gespräch steht diese Aussage im Raum. Wer kann dem etwas entgegenhalten? Die Behauptung ist unwahr, da der Lieferant, der die Unterkünfte beliefert, diesen Betrag erhält, wovon er Nebenkosten und Löhne bezahlt. Ähnliche Geschichten wurden schon immer verbreitet, lange, bevor das Internet existierte.

Tatsachen werden mit Absicht von bestimmten Menschen oder Gruppen verdreht. Früher, aber auch heute, kursierten ähnliche Geschichten im Gasthaus und man konnte leichter einschätzen, ob es jemand war, der oft Unsinn erzählt oder jemand, der vertrauenswürdig ist. Im Internet jedoch geschieht dies in der Anonymität. Es verleitet dazu, Meldungen schnell und ungeprüft zu übernehmen.

Besonders gefährlich wird es, wenn Falschmeldungen gezielt verbreitet werden, um ein politisches System zu destabilisieren oder um Regierungen anzugreifen. Die Verfasser haben nur ein Ziel, nämlich Angst vor der Zukunft zu schüren. Der Staat sei schwach. Die Presse lüge und, und, und …

Jetzt haben wir diese rechten Protagonisten in unseren Parlamenten sitzen, deren Vorderer im Bundestag sitzend lauthals schwadronierte: „Wir werden sie jetzt jagen!“ Wen oder was meint der wohl? Die Feinde unserer Demokratie sitzen jetzt in unseren Parlamenten.

Mein Geschichtslehrer und mein Vater haben uns vor diesen Menschen gewarnt, die die Menschen mit Täuschen und Tarnen blendeten und nach diesem Motto am Ende Leid und Elend über unser Land und ganz Europa brachten.

Hans-Willi Triesch, Trier-Zewen