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Gesundheit: Macht es nicht schlimmer, als es ist!

Gesundheit : Macht es nicht schlimmer, als es ist!

Zur Berichterstattung über die Pandemie schreiben Doris Oesch, Eugen Hahn und Manfred Schmitz:

Der Appell einer Lehrerin:

Ein verlorenes Schuljahr, eine Benachteiligung, die ein Leben lang zum Tragen kommen wird, Lücken, die sich nicht mehr aufholen lassen und ähnliche Warnrufe prägen den Diskurs über die Folgen der Pandemie für die betroffenen Jahrgänge unserer Schülerinnen und Schüler. Sie mögen nicht ganz unberechtigt sein, aber in ihrer Dominanz richten sie mehr Schaden an, als dass sie helfen. Es wird in manchen Fächern wieder so sein, dass das vorgesehene Lernpensum für das laufende Schuljahr nicht geschafft wird. Aber das gab es auch schon vor Corona, und kein Jahrgang wurde deswegen verloren genannt. Ebenso sind große Wissenslücken unserer Schüler nichts neues. Das Phänomen, dass Lern­inhalte vor Überprüfungen regelrecht reingeschaufelt werden und zwei Wochen später bei zahlreichen Schülern schon nicht mehr abrufbar sind, hat schon lange vor Corona Einzug in den Schulalltag gefunden. Bei der Progression, die in unserem Lernplan vorgesehen und von den genehmigten Schulbüchern vorgegeben wird, fehlte es schon vor der Pandemie oft ganz einfach an der nötigen Unterrichtszeit beziehungsweise der ausreichenden Anzahl an Lehrern. Denn mit kleineren Lerngruppen und einer intensiveren Begleitung geht auch mehr. Ich stelle mir vor diesem Hintergrund als Lehrerin die Frage, um welche Inhalte es denn jetzt so schade ist, dass das von Schülern, Lehrern und Eltern trotz Corona Geleistete in der öffentlichen Diskussion so in Grund und Boden geredet wird? Schließlich wurde dennoch gelernt, wiederholt und angewendet, so gut es eben ging. Und wo bleibt die Wertschätzung der Kompetenzen, die durch diese Krisenerfahrung viel stärker gefördert wurden, als der normale Präsenzunterricht dies zum gleichen Zeitpunkt zugelassen hätte. Im Präsenzunterricht ist die Schulwoche umfassend und vielschichtig vorstrukturiert. Im Fern- und Wechselunterricht kann dieser vorgegebene Rhythmus nur begrenzt durch Video-Unterrichtssequenzen und Arbeitsaufträge ersetzt werden.

Die Herausforderung, selbstständig und zielgerichtet die eigenen Ressourcen in Form von Zeit, Fähigkeiten, Befindlichkeiten, sozialen und digitalen Netzwerken zu managen, ist sehr hoch, hat an der einen oder anderen Stelle zu einem deutlich intensiveren Austausch zwischen Schülern, Lehrern und Eltern geführt, wurde von vielen erstaunlich gut gemeistert, kam für einige zu plötzlich und hat manches Mal Schwächen so deutlich aufgedeckt, dass sie nicht weiter ignoriert werden konnten. Das mag sich nicht immer angenehm anfühlen, aber es birgt die Chance einer nachhaltigen Weiterentwicklung in Bereichen der Persönlichkeit, die weit über die Schule hinaus von großer Bedeutung sind und die bei manchen Schülern im gewohnten Trott des Präsenzunterrichts oft oder zu lange unterentwickelt bleiben. Diejenigen, die den Fern- und Wechselunterricht gut meistern, lernen etwas Ermutigendes über sich selbst und alle zusammen trainieren Resilienz.

Das Training der erwähnten Kompetenzen unter Pandemie-Bedingungen war und bleibt für alle kräftezehrend und hat deutlich mehr Wertschätzung verdient, als ihm bisher in der Öffentlichkeit gezollt wird. Eine ausgewogenere Betrachtungsweise des Geleisteten und Erreichten wäre ein förderlicher und willkommener Beitrag zum Gelingen des Schulalltags in dieser herausfordernden Zeit. Ob und wie sich pandemiebedingte Bildungslücken auf die Biografie unserer Schülerinnen und Schüler auswirken werden, hängt im Übrigen vor allem davon ab, wie weit sich alle Beteiligten auch in Zukunft angemessen auf die entstandenen Bedingungen einstellen werden. Da sind Innovationsgeist, Mut und Pragmatismus nötig, aber kein Defätismus.

Zum Leserbrief „Unglaubwürdig, wenn nicht lächerlich“ (TV vom 27./28. März):

Ich stimme Claudia Jirka-Köcher voll und ganz zu. Ein Trauerspiel, was unseren Politikern zum Thema „Pandemie und Schule“ einfällt! Neueste Veröffentlichungen lassen zudem alle Alarmglocken läuten, wenn es um die rasante Steigerung von Ansteckung/Übertragung der Covid-19-Mutationen durch Kinder und Jugendliche geht. Schulen und Kitas sind angesichts dieser Tatsachen besonders gefährdete Räume! Aber zum Glück soll ja demnächst flächendeckend getestet werden! Viele Lehrer wurden in diesen Tagen von in „Mars-Anzügen“ geschützten Profis unterrichtet, wie diese Tests vor Ort in den Schulen ablaufen sollen. Tests in der Schule, durch ungeschützte Lehrpersonen beaufsichtigt, während der knappen Unterrichtszeit. Trotz aller Widrigkeiten ein guter Schritt zu mehr Sicherheit in den Schulen.

Wenn, ja, wenn da nicht eine winzige Kleinigkeit wäre: Das Testen ist ein Angebot! Wer nicht will, wird nicht getestet! Elternwille entscheidet. Nach dem Willen der Bildungsministerin hat jedes Kind Anrecht auf Bildung, also auch die Ungetesteten. Getestete und Ungetestete werden folglich nach der Testprozedur gemeinsam unterrichtet! Hier stelle ich mir die Frage, welchen Wert die Tests dann noch haben? Hohe Sicherheit gibt es nur, wenn durch Tests positive Befunde erkannt und isoliert werden! Ich weiß nicht, warum Eltern ihren Kindern das Testen verwehren. Ist ihr gutes Recht, wenn es auch meiner Meinung nach im höchsten Maß egoistisch und im wahrsten Wortsinn asozial ist! Aber dann sollten sie auch die Konsequenzen tragen und ihr Kind erst gar nicht zur Schule schicken! Ich fordere die Verantwortlichen auf, aus dem Testangebot eine verbindliche Testpflicht zu machen! Die Zeit für politische Spielchen ist vorbei!

Zum Krisenmanagement der Politik in der Pandemie:

Die Besprechungen der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten sind zum Stammtischpalaver verkommen: Was bei klarer Faktenlage in einer halben Stunde erledigt sein müsste, dauert bis tief in die Nacht, und doch kommt man nicht auf einen Nenner. Das verdient nicht den Namen „Föderation“, das ist Chaos und Koma zugleich. Doch echte Demokraten sind Meister des Chaos und Feinde rustikaler Entscheidungen. Als die Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg dem kriegerischen Volk der Deutschen eine föderative Staatsordnung aufzwangen, erwiesen sie sich als profunde Kenner der deutschen Seele, die zu Gründlichkeit, Überorganisation und Haarspalterei neigt. Sie erkannten die föderale Demokratie als geniale Therapie, Deutschland dauerhaft zu sedieren und unschädlich zu machen, wussten sie doch um die selbstzerstörerische Dynamik, die sich in einer von deutschen Musterschülern zu gestaltenden Föderation entfalten würde. Es war ein Volltreffer: Deutschland ist zum schwadronierenden, bewegungsunfähigen Diskutierclub von Haarspaltern und Wichtigtuern geworden, der selbst auf tödliche Bedrohungen nicht schnell und konsequent reagieren kann. Es fehlt die „ordnende Hand“, doch Autorität ist verhasst, und linksliberaler Einfluss sorgt dafür, dass jeder, der nach ganz normaler Ordnung ruft, zum Rassisten und Nazi erklärt wird. Mir graut vor einer Kanzlerschaft der Grünen im Komplott mit einer im Sterben begriffenen Partei, die vermutlich zu jedem Zugeständnis fähig wäre, um ihr Sterben zu verzögern.

Niemand hat in einer so komplizierten Situation perfekte Lösungen und fehlerfreies Handeln von der politischen Führung zu erwarten, die sich – wenn auch mit mäßigem Erfolg – redlich bemüht hat. Statt mit einer Stimme zu handeln, fällt man übereinander her und verspielt den letzten Rest an Vertrauen in der Bevölkerung:. Niemand weiß mehr, wem und welcher Nachricht er trauen kann.

Im Übrigen müssen wir Deutschen nicht immer die Ersten und überall die Besten sein. Niemand, der klar im Kopf ist, will eine Diktatur. Fakt ist aber, dass ein wenig Diktatur auf Zeit in lebensgefährlicher Lage alternativlos ist; andere Demokratien (Taiwan, Korea und Israel) haben es vorgemacht. Abgesehen davon, dass ein deutscher Zentralstaat nicht mehr gefährlich werden könnte, würde er viel effizienter handeln und nur einen Bruchteil des Aufwands verschlingen, den unsere Kleinstaaterei verursacht. Doch wo es Stammtischstrategen gelungen ist, Autokennzeichen wie BKS, ZEL und PRÜ wieder auszugraben, fehlt es an Format, die föderative Geisterbahn zu verlassen.