Macht und Machterhalt

Zum Artikel "Minister Guttenberg soll bei seiner Doktorarbeit gemogelt haben" (TV vom 17. Februar):

Sollte sich eine zehnjährige Grundschülerin bei der Mathearbeit zu weit über das Heft des Nachbarn beugen und sich dessen Ergebnis zu eigen machen, sollte ein 15-jähriger Gymnasiast Referate einfach aus dem Internet zusammenklauen, kann dies natürlich nicht ungeahndet bleiben, und eine "6" ist als Erziehungskonsequenz unverzichtbar, um zukünftiges Verhalten in die richtigen Bahnen zu lenken. Die Entwicklung eigenverantwortlich denkender und handelnder Persönlichkeiten muss gefördert werden.

Wenn jedoch ein gutaussehender, wortgewandter, allseits beliebter und auf viele Wähler sympathisch wirkender Politiker bei Recherchen für seine Doktorarbeit im Internet Textpassagen anderer findet, die seine eigenen Thesen doch nur bestätigen und dann rein zufällig beim "Mausschubsen" ohne Fußnoten (welches Schreibprogramm hat bei über eintausend Fußnoten noch den Überblick?) und erkennbare Zitierhinweise in der eigenen Arbeit landen, ist dies doch entschuldbar. Vielleicht hat auch nur die Sekretärin, die die Arbeit letztendlich in Form und zu Papier brachte, einfach das Schreibprogramm nicht beherrscht? Ein Grund lässt sich schnell finden.

Aber von einer bewussten Täuschung auszugehen, ist doch bei dieser Persönlichkeit schier abwegig. Wer bitte sollte denn mit dem Doktortitel getäuscht werden? Für den Job, den er macht, ist der Titel absolut unnötig, wie viele andere Beispiele beweisen.

Ein Doktortitel ist eben kein Gütesiegel - auch dafür gibt es weitere Beispiele. Seine Vorteile - siehe oben - liegen doch in ganz anderen Bereichen, und für Wähler sind Titel nicht wahlentscheidend. Eine Vorbildfunktion haben Politiker längst nicht mehr. Es geht nur um Macht und Machterhalt. Wege und Mittel hierzu sind zweitrangig.

Heinz Weber, Tawern

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