1. Meinung
  2. Leserbriefe

Machtpolitisches Kalkül

Machtpolitisches Kalkül

Zur Wende in der Energiepolitik der Bundesregierung:

Frau Dr. rer. nat. Merkel, Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, erklärte unter anderem im Deutschen Bundestag, dass die Ereignisse in Japan eine Zäsur in der Atompolitik darstellten und dass man nicht mehr einfach zur Tagesordnung übergehen könne.

Sie begründet mit dieser Zäsur und der Erfahrbarkeit des Supergaus, dass alle Atomkraftwerke auf den Prüfstand müssten und ordnete an, dass sieben Atomkraftwerke sofort abgeschaltet werden.

Diese Kehrtwende soll der Öffentlichkeit eine neue Verantwortlichkeit vermitteln, als habe es neue, bis dato unbekannte Erkenntnisse in der Risikobewertung der Kernkrafttechnologie gegeben, und dass sie diesen umgehend mit Entscheidungskraft Rechnung trage.

Es ist anzunehmen, dass Frau Merkel die drei möglichen zweifelhaften Einstellungen gegenüber dem Irrational-Unerfahrbaren beziehungsweise Unwahrscheinlichen in der Wissenschaft kennt:

Erstens: Man verzichtet auf eine Auseinandersetzung: politisch sitzt man es aus.

Zweitens: Man leugnet einfach die Wirklichkeit dieser Sachverhalte: unkritische desinformierte Befürworter der Atomkraftwerke.

Drittens: Man zieht diese Sachverhalte in die eigene Anschauungsweise hinein und versucht sie zu erklären, und zwar vom eigenen Standpunkt aus: lobbyorientierte Politiker und Kernkraftwerkbetreiber.

Von Frau Merkel, studierte und promovierte Physikerin, hätte man erwarten können, dass sie thematisiert, was in der wissenschaftlichen Bewertung der Kernkraftwerke "irrational", das heißt der Ratio nicht zugänglich ist, und wie kollektive tödliche Restrisiken auch von ihrem kollektiven Ergebnis und nicht nur von der bloßen Wahrscheinlichkeit ihres Eintretens her zu beurteilen sind.

Machtpolitisches Kalkül und lobbyorientierte Politik machten vernünftige wissenschaftsorientierte Entscheidungen über gravierende Risiken für alle Bürger in unserem Land bisher unmöglich.

Dr. med. Jürgen Trarbach, Kleinich



atomdebatte

Machtpolitisches Kalkül

Frau Dr. rer. nat. Merkel, Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, erklärte unter anderem im Deutschen Bundestag, dass die Ereignisse in Japan eine Zäsur in der Atompolitik darstellten und dass man nicht mehr einfach zur Tagesordnung übergehen könne. Sie begründet mit dieser Zäsur und der Erfahrbarkeit des Supergaus, dass alle Atomkraftwerke auf den Prüfstand müssten und ordnete an, dass sieben Atomkraftwerke sofort abgeschaltet werden. Diese Kehrtwende soll der Öffentlichkeit eine neue Verantwortlichkeit vermitteln, als habe es neue, bis dato unbekannte Erkenntnisse in der Risikobewertung der Kernkrafttechnologie gegeben, und dass sie diesen umgehend mit Entscheidungskraft Rechnung trage. Es ist anzunehmen, dass Frau Merkel die drei möglichen zweifelhaften Einstellungen gegenüber dem Irrational-Unerfahrbaren beziehungsweise Unwahrscheinlichen in der Wissenschaft kennt: Erstens: Man verzichtet auf eine Auseinandersetzung: politisch sitzt man es aus. Zweitens: Man leugnet einfach die Wirklichkeit dieser Sachverhalte: unkritische desinformierte Befürworter der Atomkraftwerke. Drittens: Man zieht diese Sachverhalte in die eigene Anschauungsweise hinein und versucht sie zu erklären, und zwar vom eigenen Standpunkt aus: lobbyorientierte Politiker und Kernkraftwerkbetreiber. Von Frau Merkel, studierte und promovierte Physikerin, hätte man erwarten können, dass sie thematisiert, was in der wissenschaftlichen Bewertung der Kernkraftwerke "irrational", das heißt der Ratio nicht zugänglich ist, und wie kollektive tödliche Restrisiken auch von ihrem kollektiven Ergebnis und nicht nur von der bloßen Wahrscheinlichkeit ihres Eintretens her zu beurteilen sind. Machtpolitisches Kalkül und lobbyorientierte Politik machten vernünftige wissenschaftsorientierte Entscheidungen über gravierende Risiken für alle Bürger in unserem Land bisher unmöglich. Dr. med. Jürgen Trarbach, Kleinich