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Karikaturen: Mahnerin für eine bessere Welt

Karikaturen : Mahnerin für eine bessere Welt

Zum Leserbrief von Stefan Mayer (24. August) antwortet Karikaturist Roland Grundheber:

Lieber Herr Mayer, ich bedanke mich, dass Sie mein technisches Verständnis und Wissen  in Bezug auf den klimaneutralen Antrieb des Bootes von Greta erweitert haben. Zum anderen freue ich mich natürlich, dass wir, und damit meine ich viele Menschen, nun verstärkt in den Dialog mit unserer Umwelt gehen.

Zum besseren Verständnis: Der Sinn einer  Karikatur spiegelt nicht eine persönliche Meinung, sondern reflektiert nun mal einen Missstand einer Gesellschaft auf humorvolle oder andere Art. Und wie könnte ich dies nun besser darstellen als mit einer Zeichnung, welche die Gemüter der verschiedenen Betrachtungsweisen erregt?

Hier wird ein junger Mensch in den Stand eines Messias oder Heilsbringers  erhoben und instrumentalisiert, um eine bestehende Problematik schuldbewusst zu verkaufen. Man kann fast sagen, klimafreundlich zu „Kohle“ gemacht.

Das ist die eigentliche Aussage meiner Karikatur!

Glauben Sie ernsthaft, dass Greta, ohne diese PR-Maschine im Hintergrund, es auf dieses Boot geschafft hätte und dass nur ein Cent der erwirtschafteten Mittel in das Klima fließt?

Sie sehen also, Ihre Betrachtungsweise auf dieses Thema greift für mich zu kurz, und ich finde es schade, dass Sie  außer technischen Raffinessen auch noch Gott ins Spiel bringen und anders Denkende als Heuchler bezeichnen.

Leider entwickelt sich die Menschheit dahingehend, dass – wenn du nicht für mich bist, bist du gegen mich. Auf allen Ebenen!

Dass etwas gegen das Klima und das, was da noch alles auf uns zukommt, getan werden muss, leuchtet wahrscheinlich außer Ihnen auch noch anderen ein. Aber solange wir in zwei verschiedenen Lagern  (Gut-Böse , Böse-Gut) unsere Energien in sinnlosen Dialogen verbrennen und uns von Debatte zu Debatte flüchten, ändert sich nichts.

Ich danke Ihnen für den Dialog.

Und Dr. med. Joachim Hölle-Gindorf, Trier, meint zum gleichen Thema:

Ich glaube, der Leserbriefschreiber, Herr Mayer, hat die Intention von Roland Grundheber nicht ganz verstanden. Er ist der Ansicht, Greta Thunberg werde in der Karikatur von Roland Grundheber „geschmacklos diffamiert“. Ich bin da ganz anderer Ansicht.

Ich erkenne einmal einen Bezug zur Erzählung aus dem Matthäus-Evangelium, als Jesus inmitten des Sees Genezareth über das aufgewühlte Wasser lief, um seine Jüngern zu unterstützen.  Diese kämpften in ihrem Boot vergeblich gegen die hohen Wellen auf dem sturmgepeitschten See.

„Fasst Mut! Ich bin’s, fürchtet euch nicht!“ ruft Jesus der verängstigten Mannschaft (also uns allen) zu.

Die Geschichte endet damit, dass auch Petrus, nachdem er Vertrauen gefasst und seine Zweifel beiseitegelegt hat, über das Wasser gehen kann. Die Botschaft lautet also: Fasst Mut und Vertrauen und steht mit Greta Thunberg auf gegen die Zerstörung unserer Umwelt und den Klimawandel.

Dass Greta mit den Fischen „plaudert“, erinnert mich an die bekannte Fischpredigt des Heiligen Antonius von Padua. Laut der Legende sollen die Stadtoberen von Rimini verfügt haben, dass niemand die Predigten des Antonius anhören dürfe.

Tatsächlich fand der Heilige keine Zuhörer für seine Predigten: Die Kirchen und Plätze der Stadt blieben leer. Es schien, als würde ihn niemand bemerken. Bei einem Rundgang durch Rimini dachte er nach, und als er am Meer ankam, begann er zu predigen:

„Da ihr, Bürger von Rimini, euch des Wortes Gottes unwürdig zeigt, wende ich mich an die Fische, um eure Ungläubigkeit noch deutlicher zu unterstreichen.“ Und zu Hunderten, zu Tausenden schwammen die Fische heran und hören die Ermahnungen und den Lobpreis des Heiligen.

Auch wir hören nicht zu! Wir verbieten uns ja geradezu, diesem jungen, unerfahrenen, noch dazu autistischen Mädchen zuzuhören. Sie hat so viel zu sagen.

Endlich macht jemand den Mund auf. Sie ist eine ernstzunehmende Mahnerin für eine andere, eine bessere Welt.

So gesehen finde ich die Karikatur von Roland Grundheber sehr hintergründig und äußerst gelungen.