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Bildung: Manchmal Wut, manchmal Resignation

Bildung : Manchmal Wut, manchmal Resignation

Zum Artikel „Mehr Unterstützung für Schulen in Problemlagen“ (TV vom 7./8. März) schreibt Christina Lehmann:

Problem erkannt – Problem gebannt … Davon ist das rheinland-pfälzische Bildungsministerium meilenweit entfernt. „Schule hat sich verändert“, das hat Ministerin Stefanie Hubig immerhin jetzt gemerkt und auch, dass die Herausforderungen an Lehrkräfte eher größer als kleiner werden. Umso frustrierender, dass die neuen Antworten darauf einmal mehr nur Kosmetik sind. 2x26 (!) Schulen in „Problemlagen“ sollen durch ein neues Schulentwicklungsprogramm („S hoch vier: Schule stärken, starke Schule“) unterstützt werden. Welche Förderkriterien werden für diese Schulen angesetzt? Ist nicht jedes einzelne Kind, das aus unterschiedlichsten Gründen Defizite in den Basiskompetenzen aufweist, gleichermaßen förderwürdig? Diese Kinder findet man auch an Schulen außerhalb von „Problemlagen“. Die Mitarbeiter des Bildungsministeriums sollten ihre Energie nicht nur auf die Namensfindung solcher neuen Programme verschwenden, sondern endlich den Mut aufbringen, grundlegende Systemveränderungen zugunsten effektiver Verbesserungen für alle Schulen anzustoßen. Das fängt schon bei der Lehrerausbildung an, die sich diesen nicht mehr ganz neuen Herausforderungen bisher kaum stellt.

Lehrer zu sein bedeutet heute weitaus mehr als nur Lehrinhalte zu vermitteln. Sozialpädagogische Kompetenzen sind gefragter denn je, insbesondere in einem inklusiven Bildungssystem. Inklusive Pädagogik mit dem dazu erforderlichen differenzierten Unterricht kann allerdings nur unter adäquaten Voraussetzungen gelingen. Damit weder Kinder noch Lehrer auf der Strecke bleiben und zufriedenstellende Ergebnisse für alle Beteiligten möglich sind, müssen diese Voraussetzungen zunächst geschaffen werden. Wenn man Schule schon nicht komplett neu denken will, sind zumindest die Verringerung der Klassenmesszahlen genauso wie die Erhöhung der Personalschlüssel längst überfällige Schritte. Dann kann die vorhandene und gewünschte Heterogenität durchaus eine Bereicherung darstellen. Der unseren Lehrern derzeit abverlangte Idealismus bei ihrer Berufsausübung ist absehbar aufgebraucht, mündet heute manchmal in Wut, aber allzu oft in Resignation. Die Frage, wie viel uns unsere Kinder wert sind, kann deshalb nicht oft und nachdrücklich genug gestellt werden.

Christina Lehmann, Trier