Manipulierte Statistik

Soziales

Zur Berichterstattung über die Debatte um die Agenda 2010 und die Pläne der SPD, ein Arbeitslosengeld Q einzuführen:
Wieso eine Verlängerung des Arbeitslosengeldes I (ALG I) eine neue Beschäftigung verhindern soll, verstehe, wer will - wenn es wirklich so wäre, dass Arbeitslosengeld Lohnarbeit verhinderte, müsste man es doch vernünftigerweise abschaffen.
Letztlich dürften ein paar Monate länger ALG I für Ältere, wie es der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz plant, oft nur einen Aufschub vor dem Absturz ins ALG II bedeuten: Immerhin könnten sich einige so noch in die ordnungsgemäße Altersrente hinüberretten.
Der Zweck der neoliberalen Agenda 2010 von SPD und Grünen war die Schaffung eines großen Niedriglohnsektors, Senkung des Durchschnittslohns und Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse im Interesse des Kapitals; das ist ihnen zweifellos gelungen. Offiziell ist dadurch die Zahl der Arbeitsplätze gestiegen - bei fast unverändertem Arbeitsvolumen - und die Arbeitslosigkeit gesunken.
Tatsächlich aber ist die Arbeitslosenstatistik manipuliert: Wer auch nur eine Stunde/Woche für Lohn arbeitet, wer einen Ein-Euro-Job hat, wer - wegen Arbeitslosigkeit! - an einer "Qualifizierungsmaßnahme" der Bundesagentur für Arbeit teilnimmt oder ALG II bezieht, wird nicht mehr mitgezählt; und ab dem Alter von 63 Jahren werden Arbeitslose frühverrentet und verschwinden so aus der Statistik.
Die wirklichen Arbeitslosenzahlen sind also viel höher. Auf der anderen Seite wird mehrfach gezählt, wer wegen zu niedrigen Einkommens auf mehreren (Teilzeit-)Arbeitsplätzen arbeiten muss.
Das ist keine soziale Erfolgsgeschichte. Ein paar Reförmchen reichen da nicht aus, sondern die gesamte Agenda 2010 muss von Grund auf reformiert werden.
Robert Seidenath
Gusterath

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