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Marianne Dratschmidt zum Aus für Sprachkitas

Leserbrief : Recht auf gute Bildung und Anliegen der Erzieherinnen finden kein Gehör

Aus für Sprach-Kitas

Zum Artikel „Aus für Sprach-Kitas im Land: Wer ersetzt die Fachkräfte?“ (Trierischer Volksfreund vom 2. August) und anderen:

Die Ampelregierung plant die Streichung des Projekts Sprach-Kitas, und die Landesregierung sieht sich außerstande, die Finanzierung zu gewährleisten. Stattdessen soll eine sogenannte Sprachbeauftragte dafür sorgen, dass ihre Kolleginnen die Sprachförderung mit übernehmen.

Sprache ist eine wesentliche Kompetenz des Menschen, mit deren Hilfe er sich, seine Anliegen, seine Emotionen und Wünsche verständlich machen kann.

Das soziale Miteinander gelingt am besten mit einem differenzierten, großen Wortschatz, umso mehr, wenn Deutsch nicht die Muttersprache des Kindes ist.

In der Kita begegnen sich Kinder mit unterschiedlichsten sprachlichen Fähigkeiten, üben sich im guten Miteinander und im gegenseitigen Verstehen.

Hier werden, neben der Familie, die Grundlagen für eine Gesellschaft gelegt, die geprägt ist von gegenseitigem Verständnis und Toleranz. Das gelingt nicht einfach so nebenbei und ohne Vorbereitung. Erzieher*innen sind Tröster*in, Dokumentierer*in, Windelwechsler*in, Spielpartner*in, Erklärer*in, Sänger*in, Naturspezialist*in und vieles mehr. Was sie nicht sind: Lobbyisten.

Bildung wird in allen Parteien angeblich als hohes Gut angesehen.

 Leider scheint es mir, dass die Anliegen der Erzieherinnen (Überforderung, Fachkräftemangel, Umsetzung des „Guten Kitagesetzes), der Familien und das Recht der Kinder auf eine gute Bildung kein Gehör finden.

Viele Bereiche des öffentlichen Lebens werden zur Zeit finanziell unterstützt (Konzerne, die Rüstung, die Autoindustrie und so weiter), Bildung gehört wieder nicht dazu.

Wir brauchen, besonders jetzt, da wir insgesamt vor großen Herausforderungen stehen, ein vielfältiges Angebot für Kinder, ihren Sprachschatz zu erweitern, in Bildungseinrichtungen, die das dazugehörige Fachpersonal und auch die Zeit haben, spielerisch das Interesse an Sprachen zu wecken.