Mehr Demut, bitte

Papst Johannes Paul II. soll vermutlich nun schon an seinem zweiten Todestag selig gesprochen werden. Abgesehen von der Eile sollte doch vielleicht einmal darüber nachgedacht werden, ob ein Mensch, auch wenn er Papst ist, es überhaupt wagen sollte, Gott vorzuschreiben, wen er als Heiligen bei sich zu haben und zu akzeptieren hat?

Könnte es nicht sein, dass der Papst (immer noch ein Mensch) sich bei derartigen Dingen vielleicht sogar des Größenunterschiedes Gott und Mensch nicht mehr so ganz bewusst ist? Bei der Lobby, die Papst Johannes Paul II. hat, dürfte es zwar nicht sehr schwer fallen, die nötigen Wunder zu sammeln und zu finden. Zu tadelnde Dinge des verstorbenen Papstes wie die Aids-Erkrankungen und Aids-Toten, die auf sein unseliges Kondomverbot in den aids-verseuchten Gebieten zurückzuführen und so von ihm zu verantworten sind, werden da vielleicht zu gern verdrängt und vergessen. Wäre es nicht auch allgemein gut für die Glaubwürdigkeit, wenn man versuchen würde, die von dem verstorbenen Papst betriebene Heiligsprechungs-Inflation wieder zurückzufahren und es Gott allein überlassen würde, wen er als Heiligen bei sich haben will? Die Frage ist ja auch, ob Gott sich überhaupt seine Heiligen von Menschen vorschreiben und diktieren lässt? Könnte es so nicht sein, dass Selig- und Heiligsprechungen vielleicht sogar für Gott und den betreffenden Menschen bedeutungslos sind? Sollte man so vielleicht nicht den Größenunterschied Gott und kleiner Mensch wieder mehr zu erkennen versuchen? Wenn es einen Gott gibt, und davon bin ich überzeugt, dürfte dieser sicherlich nicht von uns Menschen zu manipulieren oder in irgend einer Weise zu bevormunden sein. Ob man darüber nicht amtskirchlich ernsthaft nachdenken und vielleicht ein wenig bescheidener und zurückhaltender in Dingen sein sollte, die doch letztlich Gott allein zu entscheiden haben dürfte? Josef Berens, Rommersheim