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Katholische Kirche: Mehr Gutes als Böses

Katholische Kirche : Mehr Gutes als Böses

Zu den Leserbriefen unter der Überschrift „Hinnehmen, verharmlosen, vertuschen, hinhalten, zermürben, bloßstellen, abservieren“ (TV vom 14./15. März) schreibt Rudolf Meyer:

Es muss jetzt mal genug sein. Die Bischöfe haben wohl verstanden, dass der Missbrauch durch Priester und andere in der katholischen Kirche schlimme Vergehen sind und waren. Sie sind durch nichts wiedergutzumachen, und die Vertuschungen kann auch ich nicht verstehen.

Ich selbst habe mein Leben lang mit dem christlichen Glauben durch Familie, aber mehr noch durch intensiven Kontakt mit den Vollzügen der Kirche und den handelnden Personen, überwiegend Priester, mein Leben gestaltet und in der Kirche gearbeitet. Dazu gehörten viele Jahre in verschiedenen kirchlichen Internaten, aber besonders mein Beitrag für „Glaube im Alltag“ als Hilfe für den Lebensalltag der Menschen hat mir Freude gemacht.

Als Pastoralreferent in den 70er und 80er Jahren in den Pfarrverbänden Daun und Bitburg, als Referent für die katholische Landvolkbewegung und Leiter in der Landvolkhochschule in Kyllburg habe ich fast nur sehr gute, freundschaftliche und ehrliche Begegnungen mit Priestern und Laien­seelsorgern erlebt.

Unsere gemeinsamen Konferenzen in verschiedensten Bereichen waren inhaltlich geprägt von dem Ziel: Ein Glaube, der den Menschen guttut und ihnen hilft, den wollen wir vermitteln! Ich meine, es ist uns gemeinsam gelungen, Priester und Laien zogen an einem Strang.

Die Veröffentlichungen und Beiträge zu den Missbrauchsskandalen in der Kirche haben mich sehr erschüttert. Es darf nichts vertuscht und verharmlost werden.

Aber weil ich und viele andere eben fast nur das Positive des kirchlichen Glaubens und seinen Vollzug erlebt haben und dazu beitragen konnten, erschüttert mich jetzt mehr, dass das alles wohl nichts war? Vor allem, dass auf einige unserer Trierer Bezugspersonen, die Bischöfe Ackermann, Bätzing, Marx und den verstorbenen Bischof Stein so viele Vorwürfe und Verfehlungsanschuldigungen ausgeschüttet werden, das ist so nicht berechtigt. Es ist sogar eine Beleidigung.

Werden denn in Vereinen, Sportgemeinschaften, Medien oder anderswo, wenn dort Missbrauch geschehen ist, immer die Vorstandsmitglieder mit Namen genannt und beschuldigt?

Ich wäre froh, wenn wir uns gemeinsam auf den Weg machen auf der Suche nach dem, was für die Menschen in ihrem Lebensalltag gut sein kann.

Der Glaube daran, wozu Jesus Christus uns beauftragt hat und was die Menschen oft fehlerhaft und sehr egoistisch ausgelegt haben, war aber mehr hilfreich als schädlich. Sonst hätte dieser Glaube nicht überlebt. Es gab und es gibt mehr Menschen, auch in unserer Zeit, die mehr Gutes als Böses tun.

Ich wäre froh, wenn wir das entdecken und gemeinsam an einer besseren Welt arbeiten, als uns am Fehlverhalten einiger Menschen abzuarbeiten.

Rudolf Meyer, Hersdorf