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Katholische Kirche: Mehr Herzensliebe!

Katholische Kirche : Mehr Herzensliebe!

Zur Berichterstattung über die Haltung des Vatikans zur Homosexualität, zum Leserbrief „Sodom und Gomorra“ (TV vom 10./11. April) und zu den Leserbriefen unter der Überschrift „Böswillige Diffamierung“ (TV vom 21. April) schreiben Marco Wilbois und Andreas Vollmer:

Es scheint, als hätte man beim Thema Homosexualität in ein Wespennest gestochen, so erhitzt scheinen die Gemüter. Die Meinungen gehen schier auseinander, so dass sich sogar Parallelen zu den Haltungen der Corona-Maßnahmen erkennen lassen – auch dort spaltet sich die Gesellschaft immer mehr.

Da versucht Ernst Marx in seinem Leserbrief mit Bibelbezug zum Nachdenken anzuregen und wird gleich von vier Schreibern angegriffen. Man wirft ihm Böswilligkeit, mittelalterliche Weltanschauung vor oder Frauen seien nur Beiwerk ihrer Ehemänner. Die Wahrheit der Bibel wird grundlegend angezweifelt, das Alte Testament lediglich als eine Sammlung willkürlicher Schriften angesehen und die Verirrung zu gleichgeschlechtlicher Liebe könne man nicht als Wille Gottes proklamieren.

Ich weiß nicht, welche der Herrschaften ein Bibelstudium absolviert haben und ob sie überhaupt an einen Gott glauben. Was haben sie daher für ein Glück, dass jedem Menschen ein freier Wille geschenkt wurde. Jeder kann also selbst entscheiden, welche Meinung er vertritt und was er glaubt zu wissen.

Wenn die Bibel aber Gottes Wort ist und ich finde dort rund 200 Mal niedergeschrieben, dass sie die Wahrheit darstellt und Gott nicht lügen kann, werden sich irgendwann einige Menschen wundern. Gottlose wenden sich daher von der Wahrheit ab, zu lesen im 2. Timotheus 4,4 – ihr Herz hat sich gegen Gott verschlossen (Epheser 4,17). Zum Thema Homosexualität lese man im neuen Testament nur mal den Römerbrief 1,18-32 oder den 1. Korintherbrief 6,9-10. Dazu dürfte nun alles gesagt sein.

Was ich aber nicht verstehe, ist, wie Menschen immer aggressiver gegenüber ihrer Mitmenschen werden. Haben diese denn in der jetzigen Pandemie immer noch nichts gelernt? Heißt es nicht auch bei Jesus: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“?

Ich wünsche mir mehr Menschlichkeit und Herzensliebe – in allen Bereichen des Lebens. Oberflächlichkeit, Egoismus oder Aggression sind spätestens seit Corona völlig fehl am Platz.

Marco Wilbois, Paschel

Es war ja abzusehen, dass in Zeiten heißer Debatten rund um das Thema Diskriminierung die Zeilen von Ernst Marx mit einem Aufschrei beantwortet werden, wird doch dort behauptet, die Bibel bezeichne Homosexualität als Sünde.

Der ermahnende Stil des Herrn Marx könnte dazu verleiten anzunehmen, man schüre Hass und Ausgrenzung. Die überaus emotionalen Reaktionen darauf hindern eine nüchterne und unabhängige Betrachtung; und wer hat heute bei der Flut von Nachrichten und Meinungen noch Zeit, auch nur die Originalstelle genau nachzulesen? Wir sind geradezu verdammt, uns auf die Darstellung sogenannter Experten zu verlassen, siehe die aktuellen Diskurse zur Wirksamkeit bestimmter Infektionsschutz-Maßnahmen!

Man schlage das Neue Testament einer wortgetreuen Bibelübersetzung auf, Römer Kapitel 1 und dort die Verse 26 und 27, die Herr Marx anführt. Wer diese Stelle gelesen hat, muss eingestehen, dass das Neue Testament sehr wohl Homosexualität als Verirrung bezeichnet.

Ein zweiter Angriff auf die Zeilen des Herrn Marx spielt darauf an, wie genau die Bibel den Willen Gottes wiedergibt. Klar, wer die Bibel ohne genauere Kenntnis ihrer Entstehungsgeschichte als eine Schriftensammlung rein menschlichen Ursprungs bezeichnet, ist fein raus. Dann kann man natürlich behaupten, der Untergang Sodoms und Gomorras sei eine Legende und hätte rein geologische Ursachen. Aber selbst darüber, wie bestimmte Bibelstellen zu verstehen sind, gibt es unzählige Expertenmeinungen. Ohne Beantwortung der Fragen nach Herkunft und Interpretation der Bibel erübrigt sich jede weitere Diskussion.

Unabhängig davon verliert jede kirchliche Einrichtung ihre Existenzberechtigung, wenn sie nicht eng bei dem bleibt, was im Buch der Christen geschrieben steht. In diesem Licht begrüße ich die Absage des Papstes an Segnungen homosexueller Paare, zeigt sie doch die Orientierung am geschriebenen Wort, das jahrhundertelang überlebt hat.

Andreas Vollmer, Oberbillig