Mein Tagebuch

Von Rosemarie Kappes aus Oberöfflingen

Meinem Tagebuch vertraue ich meine Gedanken an, die erste Liebe, der erste Kuss und nach ein paar Tagen machte er wieder Schluss.
In Gedanken verfluchte ich diesen Typ, hatte geglaubt, er hätte mich lieb. Hab gedacht, ich könnte nicht ohne ihn leben, die erste Liebe eben.
Ich saß am See im Sternenlicht, Tränen rannen über mein Gesicht, und ich sah, wie sich das Mondlicht in den Wellen bricht.
In Gedanken kann ich alles denken, kann Begebenheiten lenken, dann kann ich alles sein, kann mich von allem befrei'n.
In Gedanken kann ich alles kriegen und sogar Kriege besiegen. Kann neue Wege geh'n und einiges mit anderen Augen seh'n.
So konnten sie mich nicht hören, wenn ich nach Freiheit schrie. Ich schrie nur in Gedanken, das hörten nicht mal sie.
Die Fesseln, die ich trug, konnten mich nicht halten, und in Gedanken, konnte ich meine Zukunft gestalten.
Meine Gedanken flogen in die Ferne, über Länder und Meere, durch Raum und Zeit, sie flogen in die Unendlichkeit, und ich war frei.
Meinem Tagebuch vertraue ich meine Gedanken an, weil ich sie oft nicht aussprechen kann.
Mein Tagebuch gehört mir allein, in mein Tagebuch schreib ich alles rein.
Doch eines Tages mach ich es zu, bis dahin ist mein Tagebuch tabu.