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Gesundheit: Meine Freiheit – deine Freiheit – unsere Freiheit!

Gesundheit : Meine Freiheit – deine Freiheit – unsere Freiheit!

Zur Berichterstattung über die Corona-Pandemie schreiben Hans-Martin Stüber, Michael Langenbach, Dr. Hans-Werner Weisskircher, Karin Zimmer und Oliver Zingen:

Ich verstehe nicht die von Neo-Nationalsozialisten angezettelten Demos, die mit alten Parolen unter anderem für „Freiheit vom Zwang des Mundschutzes“ eintreten. Was ist das für eine Freiheit, wenn ich mich weigere, mit Mund- und Nasenschutz und Beachtung der Abstandspflicht andere und mich selbst vor Covid-19 zu schützen? Was für eine Freiheit meinen die Menschen mit den bei Demonstrationen ungeniert gezeigten Nazi-Symbolen? Warum wärmen sie diese unselige Vergangenheit wieder auf? Sollen Deutschland und die Deutschen für immer untergehen?

Freiheit bedeutete in der DDR: Einsicht in die Notwendigkeit! Freiheit ohne Einsicht in die Notwendigkeit der Machthaber führt zu menschenfeindlicher Willkür und Tyrannei. Das habe ich als kleiner „Hitlerjunge“ (Jahrgang 1933) miterlebt, ebenso wie 1945 die Anfänge von Willkür und Tyrannei in der ehemaligen Sowjetzone: Das war auch für mich damals Zwölfjährigen deutlich erkennbar. Zwischen dem NS-Regime und der DDR gab es viele Parallelen.

Nun sehen wir im Fernsehen bei Demos und Aufmärschen die hassverzerrten Gesichter der Ewiggestrigen, die die Jahre 1933-45 nicht selbst miterlebt und mit erlitten haben. Wer die eigene Freiheit über alles stellt, nimmt anderen ihre Freiheit. Im Klartext: wer in der Covid-19-Krise um der eigenen, persönlichen Freiheit willen gegen das Maskentragen und die Abstandspflicht demonstriert, nimmt anderen die Freiheit, gesund zu bleiben und damit das Grundrecht auf Leben.

Die Teilnehmer an Demos und ähnlichen Aktionen gegen die Hygiene-Regeln nehmen um ihrer eigenen Freiheit willen die Erkrankung und damit den Tod anderer Menschen billigend in Kauf. Da darf auch Dummheit nicht vor Strafe schützen! Wer aus Gedankenlosigkeit oder absichtlich die Maskenpflicht und das Abstandsgebot missachtet, nimmt anderen das Recht auf Gesundheit, damit das Recht auf Leben überhaupt! Im Klartext: Er oder sie begeht ein Verbrechen! Eine Gesellschaft beziehungsweise ein Staat von Verbrechern aber geht über kurz oder lang unter und hinterlässt unzählige unschuldige Opfer!

Darum also: Meine Freiheit – deine Freiheit – unsere Freiheit!

Hans-Martin Stüber, Gerolstein

Wir in der Generation Ü 60 tragen brav unsere Masken im Geschäft, in den Bussen, im Gottesdienst – was für ältere Menschen und Lungenkranke ein großes Problem ist. Wir haben unsere Arztpraxis für mehrere Tausend Euro umgestaltet, um den Patientenfluss zu regeln. Es funktioniert weitgehend.

Umso erschreckender war für mich die Aussage einer älteren Patientin, die sehr wütend und enttäuscht war, dass ihr Sohn mit einem Kumpel den 40. Geburtstag in einer Grillhütte mit fast 200 Gästen gefeiert hatte – ohne Masken. Da müssen wir uns nicht fragen, woher die neuen Infektionszahlen kommen.

Das aktuelle Durchschnittsalter der Infizierten ist auf 30 bis 35 Jahre gesunken. Auch wir testen in der Praxis durchweg Patienten unter 40. Ich verstehe den Wunsch der jüngeren Leute nach Begegnungen und Feierlichkeiten. Doch muss man an das Verantwortungsbewusstsein dieser Generation appellieren.

Wir schotten seit Monaten die alten Menschen in den Pflegeheimen ab, und dort gibt es bundesweit nur Einzelfälle von Corona-Infizierten. Wir können nicht immer nach staatlichen Kontrollen rufen – wer soll all die Grillhütten kontrollieren?

Es müssen nicht immer Scheinwerfer wie am Mainzer Rheinufer eingeschaltet werden, doch sollten sich größere Gruppen vor ihren Treffen über die schädliche Wirkung auf die Allgemeinheit bewusst werden. Nur so funktioniert Prävention.

Michael Langenbach, Trier

Zum Foto der protestierenden „Omas gegen rechts“ auf Seite eins unter der Überschrift „Sie sind sauer auf die Corona-Leugner“ (TV vom 3. August):

Die Mehrzahl derjenigen, die gegen die Anordnungen zur Eindämmung der positiven Covid-19 Test Resultate sind, sind keine Corona-Leugner.

Die Mehrzahl derjenigen, die das Coronavirus SarsCov2 für gefährlicher halten als das Influenzavirus von 2017/18, sind keine Influenza-Leugner.

Die Mehrzahl der Bauern, die Pestizide spritzen, um der nationalen Preispolitik standhalten zu können, sind keine Bio-Leugner.

Und trotzdem würde sich gerade im letzten Beispiel niemand der populären Medien trauen, eine Schlagzeile gegen Bauern zu veröffentlichen: „Sie sind sauer auf Bio-Leugner“, mit einem Bild eines Transparentes mit der Aufschrift „Omas gegen BASF-Vasallen“.

„Mit Maske und mit der richtigen Einstellung...“ beginnt dann der Artikel, wohlgemerkt nicht als Kommentar, sondern auf der ersten Seite. Das hat mit moralischen journalistischen Grundprinzipien, die man von einer unabhängigen Zeitung erwartet, also wirklich absolut nichts zu tun. Das erinnert an Zeiten, die wir nicht mehr haben wollen.

Eine funktionierende Demokratie ist aufgebaut auf moralischen Werten innerhalb der Gesellschaft. Dazu gehört, dass man niemanden verunglimpft. Dazu gehört, dass man beiden Seiten eine Chance gibt, öffentlich die Pros und Contras zu diskutieren. Dazu gehört, dass man in seiner Willensbildung transparent ist, Gründe für sein Vorgehen tiefer gehend erläutert. Dazu gehört auch, dass man eine Einstellung öffentlich nicht als die richtige verkauft. Das ist leider zurzeit nicht der Fall.

Das verunsichert und bringt Leute auf die Barrikaden. Und wenn ein Minister sich öffentlich zu der Aussage hinreißen lässt: „Wer andere absichtlich gefährdet, muss damit rechnen, dass dies gravierende Folgen hat“, transportiert er ein Bild einer kriminellen Handlung, wenn zwischen Personen die Regeln nicht eingehalten werden, klammert sein gesellschaftspolitisches Handeln nebenbei irgendwie aus und hat dabei aber nicht verstanden, dass es bei den meisten Corona-Anordnungen überwiegend um die Eindämmung der positiven Resultate geht und nicht um den bislang anzunehmenden höheren Schutz einer situationsbedingten Gefährdung jedes Einzelnen.

Und wenn die Chefin einer großen Volkspartei sich öffentlich zu der herabwürdigenden Äußerung „Covidioten“ namentlich für die Tausenden Protestierenden in Berlin hinreißen lässt, dann ist das auch ein Zeichen dafür, dass sie sich in Deutschland scheinbar sicher ist und sicher fühlt, diesen zweifelhaften Anstand mit vielen gleich denkenden potenziellen Wählern zu teilen.

Das ist beängstigend. Ob sie sich im Klaren ist, welchen moralischen Schaden sie der Gesellschaft zugefügt hat? Oder meint sie: „Nicht so schlimm, hab ich nur getwittert“?

Bislang dachte ich, das gibt es nur in den USA.

Dr. Hans-Werner Weisskircher, Igel

Zum Artikel „Kommunen: Abstandhalten in Schulbussen ist nicht notwendig“ (TV vom 25. August):

Immer und immer wieder werden die AHA-Regeln betont, was auch sinnvoll ist. Aber im Schulbus/Linienbus muss kein Abstand gehalten werden. Logisch ist das nicht. Es heißt zwar immer, Begegnungen unter 15 Minuten sind harmlos in Bezug auf eine Infektion mit Coronaviren, aber wer weiß das schon genau. Außerdem dauern Fahrten aus dem ländlichen Umfeld nach Trier oft weit länger als 15 Minuten, und auch Fahrten von dem einen Ende Triers zum anderen Ende sind nicht nach 15 Minuten vorbei. Von Reisebusunternehmern wird erwartet, dass sie die Einhaltung der Abstandsregeln sicherstellen, dabei handelt es sich hier um eine feste, registrierte Gruppe, die Nachverfolgung einer Infektionskette und die Ermittlung von Kontaktpersonen ist problemlos möglich. Bei Fahrten im Linienbus sitzt man mit fremden, wechselnden Menschen zusammen, eine Nachverfolgung von Infektionsketten ist nicht möglich. Und auch im Schulbus fahren ja nicht immer nur die gleichen Schüler mit, aus manchen Dörfern fährt ja nur der normale Linienbus, der dann zu gewissen Uhrzeiten auch/überwiegend von Schülern genutzt wird, aber eben nicht nur. Hier müsste dringend nachgebessert werden.

Karin Zimmer, Hentern

Zum Artikel „Verkehrsverbund: Schulbusse nicht überfüllt, sondern falsch ausgelastet“ (TV vom 19. August):

„Uns liegt die Gesundheit unserer Fahrgäste sehr am Herzen“, wird Barbara Schwarz, die VRT-Chefin, zitiert. Wie sehr ihr die Gesundheit der Fahrgäste am Herzen liegt, haben viele Nutzer des Regionalexpress Koblenz-Trier taggleich zum Erscheinen des Artikels erfahren. Der Zugteil, der normalerweise nach Luxemburg weiterfährt und etwa die Hälfte der Kapazität ausmacht, fehlte ohne Angabe von Gründen. Entsprechend überfüllt war um 7:13 Uhr bereits am Bahnhof Föhren dieser für Schüler und Berufspendler sehr wichtige Zug. In der 2. Klasse standen Fahrgäste bereits in den Gängen. Die 1. Klasse war mit drei Personen plus Zugbegleiterin besetzt, Sitzplatzkapazität geschätzt mindestens 30, Gesamtkapazität deutlich größer! Zwecks Wahrung des Mindestabstandes wollte ich mich an die Ausgangstür in der 1. Klasse stellen. Die Zugbegleiterin machte mich sofort darauf aufmerksam, dass dies nicht erlaubt sei. Ich argumentierte, dass der wegen eines Fehlers der Bahn viel zu kurze Zug das Problem der Überfüllung sei und dass ich den wegen der Corona-Pandemie vorgegeben Sicherheitsabstand in der 2. Klasse nicht einhalten könne und deshalb gern dort stehenbleiben würde. Dies wurde mir verwehrt, und ich musste den riesigen, kaum besetzten Bereich der 1. Klasse verlassen. Mit dem Zustieg weiterer 30 bis 40 Personen am Bahnhof Schweich verschärfte sich die Lage in der 2. Klasse weiter. Hätte man im Interesse der Gesundheit der Fahrgäste nicht einen Teil der 1. Klasse freigeben können, immerhin hat die Bahn selbst diese Situation verursacht? Und weiter: Ist eine Zweiklassengesellschaft in Regionalzügen unter diesen Bedingungen noch zeitgemäß?

Noch zwei Fragen an die Verantwortlichen, die offensichtlich gern einseitig und unflexibel Regeln auslegen: Stehen mir Ausgleichszahlungen für die lange Zeit zu, in der der VRT viele Busse und Bahnen coronabedingt nicht hat fahren lassen? Immerhin habe ich meinen Teil der Vereinbarung durch Zahlung des vereinbarten Monatspreises erfüllt, der VRT hat die vereinbarten Leistungen allerdings deutlich reduziert! Warum haben Sie die von der Bundesregierung beschlossene temporäre Mehrwertsteuerreduzierung nicht an Ihre treuen Dauerkunden weitergereicht?! Ihre „Ausgleichsleistung“, in den Ferien alle Verbindungen im VRT in Anspruch nehmen zu dürfen, ist nutzlos. Ist es gerecht, die volkswirtschaftlich sinnvolle Entlastung der Bevölkerung als Unternehmen einzubehalten?! Selbst jeder Discounter und viele Kleinstbetriebe geben die Reduzierung an ihre Kunden weiter. Übrigens: Meine Frau fährt unsere Kinder schon seit Jahren mit dem Auto zur Schule, da im ländlichen Bereich das Leistungsangebot des VRT, nicht erst seit Corona, ungenügend ist. Viele Rück­meldungen in sozialen Medien und in der Tagespresse bestätigen dies. Also bitte, Frau Schwarz: Schauen Sie der Realität ins Auge und versuchen nicht, mit plakativen Aussagen die Lage schönzureden und somit die Allgemeinheit zu täuschen. Verbessern Sie im Interesse der Umwelt und der Menschen, die öffentliche Verkehrsmittel nutzen wollen oder müssen, Ihr Leistungsangebot!

Oliver Zingen, Föhren