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Politik und Medien: Mensch, ein starkes Signal!

Politik und Medien : Mensch, ein starkes Signal!

Zum Artikel „Zu wenige Frauen? Karlsruhe weist Beschwerde ab“ (TV vom 3. Februar) schreibt Dagmar Barzen:

Der Beitrag macht mich wütend: schlecht recherchiert oder einfach nur ignorant?

Die Überschrift machte mich neugierig: „Zu wenige Frauen?“. Schon merkwürdig. Auf der Seite „Themen des Tages“ war wohl noch etwas Platz übrig. Zwischen Nawalny, Myanmar und einem schwimmenden Seniorenschiff war rechts unten ein Lückenfüller gesucht und auch gefunden. Und viel Zeit für eine Recherche blieb nicht. Oder war es Ignoranz? Nur so erkläre ich mir die Tatsache, dass ein kleiner dpa-Bericht dem männlichen Redakteur des TV noch schnell in die Finger fiel. Gott sei Dank, nun noch eine provokante Überschrift und die Seite ist gefüllt!

Inhaltlich ging es um die schwache Repräsentanz von Frauen im deutschen Bundestag und eine aktuelle Wahlprüfungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht. Als Beispiel war die Anzahl von weiblichen Abgeordneten der im Bundestag vertretenen Parteien aufgelistet. Halt, nicht alle. Eine fehlte. Ich las zwei Mal, nein ich hatte nichts überlesen. Sie fehlte wirklich: die alte SPD. Das macht mich wütend.

Gerade die Partei, die mich vor über 36 Jahren bewog, genau in diese Partei einzutreten. Mir war es nämlich wichtig, als Frau Mitglied in der SPD zu sein, einer Partei, die es tatsächlich ernst meinte mit dem Kampf für Frauenrechte. Ich bin stolz auf diese Partei. 1988 beschloss meine Partei auf einem legendären Bundesparteitag in Münster die 40-Prozent-Quote für Frauen und Männer. Mensch, war das ein starkes Signal! Auch heute müssen wir Frauen immer noch für unsere Rechte kämpfen. Die wenigen Frauen zum Beispiel im Bundestag oder in Wirtschaftsunternehmen zeigen es, nichts ist selbstverständlich.

So, und nun können alle lesen, was der TV am 3. Februar unterschlug: Mit 42 Prozent Frauenanteil hat sich meine Partei gut geschlagen. Ich hoffe, es werden im nächsten Bundestag, der ja Ende September von uns allen gewählt werden wird, mehr sein. Jede und jeder hat es in der Hand. Und die TV-Berichterstattung darüber werde ich jedenfalls weiterhin aufmerksam begleiten.

Dagmar Barzen, Reil