Menschen mit Ecken und Kanten

Menschen mit Ecken und Kanten

Zum Leserbrief "Menschliche Spielereien" (TV vom 24. Dezember):

Der Papst versucht, wie Generationen von Hirten und Seelsorgern vor ihm, uns die Menschen, die gläubig und heiligmäßig gelebt haben, als Vorbilder zu empfehlen. Herr Berens will uns, oberlehrerhaft, mit erhobenem moralischen Zeigefinger vor diesem Angebot warnen oder gar schützen.

Wie er selbst schreibt, sind die Anschuldigungen umstritten oder aus seiner Sicht nicht zu begründen. Heilige werden auch nicht an die Seite Gottes "gedrückt", sondern sie werden den Menschen als Vorbilder gegeben. In der Bibel, von Genesis angefangen bis zur Offenbarung des Johannes, ist die Rede von Menschen und ihrer mehr oder weniger gestörten Beziehung zu Gott.

Es gab anscheinend zu keiner Zeit Vorbilder für uns Menschen, die ein perfektes, allzeit reines und gottgefälliges Leben geführt haben. Durch die ganze Schrift ziehen sich, wie ein roter Faden, die Verfehlungen der Menschen, deren Umkehr und Gottes verzeihendes Heilswirken. Gott liebt die Menschen so sehr, dass er selbst in Jesus Mensch geworden ist, um uns von allen Übeln zu erlösen. Wenn nur perfekte Menschen Vorbilder sein dürften, dann fühlte ich mich nicht mitgenommen und angenommen auf einem Weg des Glaubens durch mein Leben. Mein Glaube beruht auf dem Vertrauen, dass Gott mich mit allen meinen Fehlern und Unzulänglichkeiten bedingungslos annimmt. Aus diesem Grund sind mir auch Vorbilder, die Schwächen gezeigt haben, sympathisch. Sie haben an ihren Fehlern und Schwächen gearbeitet, sie haben im Gebet und im Dialog mit Gott um die Gnade der Versöhnung mit Gott gefleht. Wenn diese Vorbilder nicht als Selige oder Heilige bezeichnet werden dürfen, wer käme dann noch infrage?

Jesus hat bei der Auswahl seiner Jünger Menschen berufen, die Ecken und Kanten hatten. Er hat sich mit Sündern an den Tisch gesetzt und mit ihnen Mahl gehalten. Das macht Mut und schenkt Kraft und Hoffnung.

Gregor Meyer, Betteldorf

katholische Kirche

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