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Politik: Menschenverachtendes Spiel

Politik : Menschenverachtendes Spiel

Zum Artikel „EU will das Sterben im Mittelmeer stoppen“ (TV vom 8. Juli) schreibt Adolf Krohn:

Vom christlichen Menschenbild her bewertet hört sich das sehr gut an, es ist aber eine Mogelpackung. Die vielleicht unter 1000 im Jahr im Mittelmeer ertrinkenden Flüchtlinge sind für die Berichterstattung in den Medien sehr spektakulär, wahrscheinlich aber nur ein kleiner Prozentanteil der Menschen, die sich aus der Sahelzone oder noch weiter südlich auf den Weg machen, um die vor der libyschen Küste kreuzenden, selbsternannten Rettungsschiffe zu erreichen. Dies mit dem Ziel, das von den Schleppern versprochene Schlaraffenland in Europa zu erreichen.

Ein Blick auf die Karte von Afrika zeigt, dass die Flüchtlinge, die aus der Sahelzone oder noch weiter südlich aufbrechen, 4000 Kilometer Wüste und Steppe überwinden müssen.

Dort gibt es auf dem Weg weder Zugverbindungen noch Autobahnen, wohl aber neben der oft tödlichen Hitze auch noch viele, auch zweibeinige Raubtiere, die sich ausschließlich für die kleine Reisekasse der Opfer interessieren.

Nur ein Teil der Flüchtlinge, die sich in Zentralafrika auf den Weg machen, erreicht die libysche Küste, viele scheitern, Tausende sterben. Die Fluchthelfer, die mit Ferngläsern oder sogar schon mit Drohnen die Küstengewässer vor Libyen nach Seenotrettern absuchen und bei Sichtung marode Boote mit Benzin für vielleicht 20 Kilometer losschicken, sind Verbrecher, die den Tod ihrer Kunden bewusst in Kauf nehmen. Alles dies ist bekannt und hat schon dazu geführt, dass die Schiffe der Frontex nicht mehr als Fluchthelfer tätig werden können.

Es wäre im Sinne der EU, dass sie das Anlocken von Flüchtlingen nicht nur erschwert, sondern grundsätzlich verhindert. Es darf nicht sein, dass Menschen aus Afrika angelockt werden und zu Tausenden in den Wüstengebieten verdursten oder ermordet werden.

Dies weil einigen wenigen der Einzug ins vermeintliche Schlaraffenland vorgegaukelt worden ist, was letztendlich in Flüchtlingslagern in Italien oder auf den dortigen Feldern als schlecht bezahlter Erntehelfer in eine Art Zwangsarbeit endet. Seenotretter, die allein durch ihre Anwesenheit vor der Küste Menschen anlocken, die nur im Ausnahmefall die Schiffe erreichen, um dann aus sogenannter Seenot gerettet zu werden, sind in der Gesamtbetrachtung ein menschenverachtendes Spiel, welches keine Unterstützung verdient.

Adolf Krohn, Waxweiler