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Leserbriefe
Mindestens auf Augenhöhe

Zum Artikel „Quereinsteiger unterrichten an Berufsschulen“ (TV vom 9. Mai) schreibt Martin Hiltawski:

Für den Lehrerverband Bildung und Erziehung (VBE) ist der Seiteneinstieg ein „notwendiges Übel“. Und ein klares Zeichen: „Die Landesregierung hat es über Jahre versäumt, den realen Bedarf an Lehrern zu erkennen“, zitiert der  Volksfreund den Landesvorsitzenden Gerhard Bold. Quereinsteiger seien „schlecht bis gar nicht auf ihren Einsatz an Schulen vorbereitet“.

Als Quereinsteiger, der das Referendariat von 2015 bis 2017 durchlaufen und erfolgreich absolviert hat, frage ich mich, worauf die Aussage von Herrn Bold fußt?

Gibt es Erhebungen zur Unterrichtsqualität, die die Absolventen vergleichen? Oder Feedback der Quer-und Seiteneinsteiger aus den Seminaren?

Für mich klingt das – was in seiner Position verständlich ist – als reine Ministeriumsschelte, die ich so nicht teile.

Zunächst einmal muss man differenzieren: Seiteneinsteiger beginnen vom vierten Monat ihrer Ausbildung an, 18 Wochenstunden zu unterrichten, was 75 Prozent der Unterrichtsstunden einer Vollzeit-Lehrkraft entspricht. Die pädagogische Ausbildung erfolgt hier parallel.

Quereinsteiger unterrichten jedoch vom vierten Monat an nur sieben Wochenstunden, was knapp 30 Prozent einer Vollzeit-Lehrkraft entspricht, und belegen die übrigen 70 Prozent der Zeit pädagogische und methodische Seminarveranstaltungen.

Für beide gilt, dass das Referendariat ein halbes Jahr länger dauert als das für Lehramtsabsolventen.

Aufgrund meiner Fächerkombination (Chemie/Musik) besuchte ich die Seminare Trier, Mainz und Neuwied und habe eine sehr intensive und professionelle Begleitung erfahren, die mich umfassend auf den Einsatz in der Schule vorbereitet hat. Auch meine Kollegen, die über den Quereinstieg in das Lehramt gewechselt sind, haben ähnliche Erfahrungen gemacht. Quereinsteiger bringen eine fachliche Kompetenz und Berufserfahrung mit, die besonders in den Berufsbildenden Schulen sehr gefragt ist und mit Lehramtsstudenten mindestens auf Augenhöhe liegt, wenn nicht sogar darüber.

Zum anderen kommen die Quereinsteiger aus den Betrieben oder der Selbstständigkeit, so dass sie besonders mit der Belastung im Referendariat besser umgehen können als Lehramtsstudenten, die direkt nach dem Studium ins kalte Wasser geworfen werden.

Und die Quer- und Seiteneinsteiger, die nicht geeignet sind, fallen durch das Examen oder brechen vorher ab, wenn sie feststellen, dass Unterrichten nichts für sie ist. Und wechseln meist wieder in ihren Beruf.

Diese Möglichkeit hat ein Lehramtsstudent nicht.

Martin Hiltawski, Trier