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Theater
Mittlerweile hartgesotten

Zum Artikel „Très chic! Das waren noch Zeiten ...“ (TV vom 23./24. März) schreiben Peter Oldfield und Eberhard Hoos:

Die Fotos vom Publikum bei der Einweihung des Trierer Stadttheaters 1964 zeigen uns, dass damals Theater etwas Besonderes war. Es wurde auf der Bühne etwas Besonderes präsentiert, und man verhielt sich auch im Publikum entsprechend. Das beliebige Verhalten von Teilen des heutigen Publikums ist nicht mehr als ein Spiegelbild dessen, was heute zu oft auf der Bühne geschieht. Große Klassiker werden regelmäßig auf das Niveau eines banalen Alltags heruntergezogen, der Regisseur gibt unweigerlich seine beliebigen Gegenwartsbezüge zu jedem Stück zum Besten. Das Ziel solcher Produktionen ist es offensichtlich, das bürgerliche Publikum, das das Gros der Theaterbesucher bildet, mit immer drastischeren Szenen auf der Bühne zu schockieren. Die verwirrten Zuschauer sind mittlerweile so hartgesotten, dass sie keinen Widerstand mehr leisten oder vielleicht mittlerweile keine Vorstellung mehr davon besitzen, wie großartig Theater (auch Oper) sein kann. Die Zuschauer besitzen aber ihre eigene Fantasie und sind bereit, wenn sie ins Theater gehen, ihre Alltagsskepsis während der Vorstellung aufzugeben und Shakes­peares oder Goethes Vorgaben zu akzeptieren. Aber was macht der Durchschnittsproduzent? Er muss interpretieren, statt das Stück zu präsentieren. Er steht also zwischen dem Stück und dem Publikum und fängt an zu moralisieren. Aber er versteht nicht, dass in einigen Jahren auch seine Ideen überholt sein werden; Shakespeare und Goethe aber werden bleiben. Wenn Theater sich wieder als etwas Besonderes und Höheres als ein typischer Fernsehabend präsentierte, würde das Publikum eine entsprechende Einstellung dazu haben, und die im Artikel zitierten Herren Jöricke und Rudolf würden keinen Grund haben, sich zu empören.

Peter Oldfield, Mertesdorf

Früher war definitiv nicht alles besser! Ich hätte beispielsweise keinesfalls gerne hinter den Damen mit den monströsen Kopfbedeckungen Platz genommen ...

Eberhard Hoos, Trier