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Politik: Moralischer Riese, geopolitischer Zwerg

Politik : Moralischer Riese, geopolitischer Zwerg

Zur Berichterstattung über den Krieg in Syrien und die Lage der Flüchtlinge schreiben Edmund Scheuern und Peter Oldfield:

Vor den Augen der Weltgemeinschaft ereignet sich in Syrien eine Jahrhundertkatastrophe, die durch brutale Kriegsverbrechen verursacht wurde. Die Zivilbevölkerung wird schonungslos bombardiert und vertrieben.

Das Elend der Flüchtlinge ist unerträglich. Hier ist nicht nur Europa gefordert, sondern die ganze Weltgemeinschaft.

Ein erster Schritt wäre, dass alle Staaten, die sich zu humanen Werten bekennen, zusammenstehen und die Unterstützer des Massenmörders Assad mit knallharten Sanktionen belegen und völlig isolieren. Der russische Präsident Putin wird Assad nicht um jeden Preis weiter unterstützen. Wenn die Weltgemeinschaft sich einig ist, kann sie Putin derart unter Druck setzen, dass er Assad fallen lässt.

Apropos Europa: Mitgliedstaaten der EU, die sich konsequent weigern, Flüchtlinge aufzunehmen, identifizieren sich nicht mit den Werten dieser Staatengemeinschaft und gehören daher nicht in die EU!

Edmund Scheuern, Newel

Der syrische Präsident Assad schlachtet seine eigene Bevölkerung erbarmungslos ab und wird dabei vom russischen Präsidenten  Putin tatkräftig unterstützt. Dieser hat dadurch seinen Einfluss im Mittleren Osten gesichert. Er trifft Vereinbarungen mit dem türkischen Präsidenten zur Situation im syrischen Idlib, und Europa, nur ein Zaungast, ist deren Entscheidungen ausgeliefert.

Seit dem Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs werden Flugverbotszonen und eine Schutzzone für syrische Flüchtlinge in Europa diskutiert, dann aber verworfen. Solche Maßnahmen hätten einen koordinierten militärischen Einsatz von uns Europäern zur Konsequenz gehabt und wären daher unpopulär gewesen. Wir haben uns lieber auf dem Abkommen mit der Türkei zur Rücknahme von Flüchtlingen ausgeruht.

Erst die Angst, dass „2015“ sich wiederholen könnte, löst in Berlin und Brüssel hektische Reaktionen aus. Die an der griechischen Grenze ausharrenden syrischen Flüchtlinge sind ein böses Symp­tom (sie werden von Afghanen, Pakistanis und anderen ergänzt). Die Ursachen hierfür liegen klar in Moskau und Damaskus. Von dort sind Betroffenheit und humanitäre Sorge nicht zu vernehmen. Europa erweist sich als moralischer Riese und geopolitischer Zwerg. Putin und Assad werden kühl zuschauen, wie unser Europa sein Herz und seinen Geldbeutel für die Menschen und den Wiederaufbau in Syrien öffnet.

Peter Oldfield, Mertesdorf